POLITIK
10/03/2016 06:02 CET

Nach Manipulation auf Facebook: Forscher erklärt die Medien-Propaganda der AfD

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AfD-Chefin Frauke Petry sorgt mit ihrem Medienumgang für heftige Diskussionen (Archivbild)

  • Ein Forscher wirft der AfD das absichtliche Schüren von Ängsten vor

  • Die Rechtspopulisten hatten eine Artikel-Überschrift auf Facebook gefälscht

  • Ein Koblenzer Experte nennt das Verhältnis der AfD zu den Medien "schizophren"

Es ist ein Fall, der das abstruse Verhältnis der AfD zu den Medien zeigt: Der Nürnberger Ortsverband der Rechtspopulisten hatte Anfang dieser Woche auf seiner Facebookseite die Überschrift eines Artikels der "Abendzeitung" (AZ) gefälscht.

"Abendzeitung" leitet rechtliche Schritte gegen AfD ein

Im Original-Artikel hieß es: "Jugendliche wollten Flüchtlingsheim in Brand stecken". Die AfD machte daraus: "Polizei erwischt Linksextreme bei Brandstiftung in Asylbewerberheim!" Wie ein Polizeisprecher sagte, gibt es bei den Jugendlichen jedoch bisher weder Hinweise auf einen rechten noch auf einen linken Hintergrund.

Die AZ habe inzwischen rechtliche Schritte gegen die AfD eingeleitet, teilte der stellvertretende AZ-Chefredakteur Timo Lokoschat am Dienstag mit.

Es ist nicht das erste Mal, dass das schizophrene Verhältnis der AfD zu den Medien durchschimmert. Immer wieder hatte die Partei der Presse selbst Manipulationen vorgeworfen.

Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, sieht in der Medienmanipulation der Rechtspopulisten eine gefährliche Strategie. Die AfD wolle Aufmerksamkeit - und die Wähler verunsichern, erklärt der Forscher.

"Propaganda und Desinformation"

"Verunsicherung schafft die Partei bei den leichtgläubigen Wählern", sagt Brettschneider. "Diese Propaganda und Desinformation soll der AfD durch das Schüren von Angst Wähler bringen", sagt Brettschneider.

Die Massenmedien nutze sie, um auf sich aufmerksam zu machen. "Über das Verhalten der AfD wird berichtet. Ihre gezielte Provokation hat damit Erfolg. Das Verhalten wird zwar von einem Großteil der Wähler abgelehnt, aber der AfD geht es ja nicht um eine Mehrheit der Menschen, sondern um eine für sie kritische Masse."

Auffallen um jeden Preis und gezielter Tabu-Bruch - das kenne man von anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa, sagte der Forscher. "Der Front National in Frankreich, die FPÖ in Österreich, die 'Wahren Finnen' in Finnland, die Schweizerische Volkspartei und die 'Goldene Morgenröte' in Griechenland - sie alle schrecken nicht vor Demagogie zurück", sagt Brettschneider.

"Schizophrenes" Verhältnis zu den Medien

Der Koblenzer Medienwissenschaftler Sascha Michel hatte das Verhältnis der AfD zu den Medien zuletzt als "schizophren" bezeichnet. Einerseits schimpften die Rechtspopulisten über die "Lügenpresse", "Pinocchio-Presse" oder "Lange-Nasen-Presse". Andererseits böten sich die führenden AfD-Vertreter immer wieder der Presse für Interviews an, kritisierte Michel.

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