POLITIK
08/03/2016 23:40 CET | Aktualisiert 09/03/2016 01:37 CET

Messerangriff von IS-Mädchen: Verfassungsschutz tat nichts

Die Gymnasiastin in einem Propaganda-Video von Pierre Vogel
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Die Gymnasiastin in einem Propaganda-Video von Pierre Vogel

  • Eine 15-jährige Gymnasiastin mit islamistischem Hintergrund rammte einem Polizisten ein Messer in den Hals

  • Die Polizei hatte den Verfassungsschutz zuvor über dschihadistische Absichten des Mädchens informiert

  • Doch die Behörde tat nichts, um die Attacke zu verhindern

Die Kaltblütigkeit dieser Tat schockierte Hannover. Eine 15-jährige Deutsch-Marokkanerin rammte einem Bundespolizisten ein Messer in den Hals, als der am Hauptbahnhof ihren Ausweis kontrollieren wollte. Er überlebte schwer verletzt. Ein Kollege konnte die Gymnasiastin überwältigen.

Die Staatsanwaltschaft untersucht einen islamistischen Hintergrund der Tat. Auch möglichen Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat wird nachgegangen.

Jetzt kommt heraus, dass der Verfassungsschutz über die Radikalisierung des Mädchens unterrichtet worden war - aber er tat nicht. Die Behörde war nach Informationen der "FAZ" schon Wochen vor der Tat über mögliche dschihadistische Absichten der Gymnasiastin informiert worden.

Auch ihr Bruder wollte sich dem IS anschließen

Das Mädchen verkehrte in Islamistenkreisen, die vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Im Januar reiste sie plötzlich in die Türkei. Ihre Mutter erstattete darauf eine Vermisstenanzeige bei der Polizei. Sie befürchtete, ihre Tochter könne sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" anschließen. Ihr älterer Bruder saß deshalb bereits in der Türkei in Haft.

Der Mutter gelang es dann aber, ihre Tochter, die offenbar bis dahin noch nicht ins syrische Grenzgebiet gereist war, bei einem Treffen in Istanbul von einer Rückkehr nach Deutschland zu überzeugen. Nach der Rückkehr am 26. Januar erfolgte eine Befragung durch die Polizei, die den Fall auch an den Niedersächsischen Verfassungsschutz weitermeldete.

Mädchen wurde trotz IS-Verbindungen nicht observiert

Der der tat nichts. Wie es heißt, soll die Behörde untätig geblieben sein. Eine Observierung des Mädchens soll nicht erfolgt sein. Auch soll der Verfassungsschutz im Niedersächsischen Landtag bisher nicht die Frage beantwortet haben, ob damals die Daten zu dem Fall überhaupt gespeichert wurden.

Dazu passend: So verhöhnt Hassprediger Pierre Vogel den Polizisten, der von einer 15-Jährigen niedergestochen wurde

Die Polizei wiederum orientierte sich in der Behandlung des Falles offenbar an einem entsprechenden Leitfaden. Obwohl es den Sicherheitsbehörden seit langem bekannt ist, dass bei einer verhinderten Ausreise das Risiko für einen Terrorakt in Deutschland besonders hoch ist, gelang es den Behörden nicht, das Messerattentat des Mädchens auf den Bundespolizisten am Hauptbahnhof vier Wochen nach ihrer Rückkehr aus der Türkei zu verhindern.

"Liebes Mädchen und gute Schülerin"

Der Vater der Täterin macht die religiöse Erziehung des Mädchens für die Tat verantwortlich.

Im NDR-Politikmagazin "Panorama 3" bestätigt ihr Vater, dass sich das Mädchen im Januar schon auf die Reise nach Syrien gemacht habe. Der Deutsche konvertierte zum Islam, trennte sich jedoch bald nach der Geburt von der marokkanischen Mutter. Die erzog das sie streng religiös.

Er beschrieb seine Tochter als "liebes Mädchen", das auch eine gute Schülerin gewesen sei. "Ich hätte ihr das nie zugetraut. Sie hat nie Gewalt gezeigt", sagt er.

"Das muss irgendwo ein Aufruf aus dem Internet sein, da bin ich mir sicher. Sonst würde sie sowas nicht machen. Ich weiß nicht, was sie ihr versprochen haben. Das Paradies, wenn sie hier in Deutschland jemanden angreift? Das ist doch verrückt."

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