POLITIK
08/03/2016 22:29 CET | Aktualisiert 09/03/2016 12:23 CET

Seit Mitternacht ist die Balkanroute Geschichte

AP
Ein afghanischer Flüchtling an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien

  • Slowenien, Serbien und Kroatien schließen ihre Grenzen für Flüchtlinge

  • Die Balkanroute existiert damit nicht mehr

  • Flüchtlingsstrom könnte nach Albanien ausweichen

Es war eine Meldung, deren Tragweite gestern Abend gar nicht richtig gesehen wurde. Slowenien kündigte an, dass es ab Mitternacht von Einreisenden gültige Schengen-Visa verlangen wird.

Mit anderen Worten: Das Land schließt seine Grenze für Flüchtlinge. Slowenien ist Mitglied im EU-Schengenraum. Da keiner der syrischen, irakischen oder afghanischen Migranten ein gültiges Visum besitzen dürfte, heißt dies, dass die Balkanroute abgeriegelt ist.

Die Polizei in den anderen Ländern der Balkanroute sei von der Maßnahme unterrichtet worden, teilte die Regierung in Ljubljana weiter mit. Innenministerin Vesna Györkös Žnidar habe die Entscheidung mit ihren Kollegen in Wien und Zagreb diskutiert.

"Balkanroute praktisch geschlossen"

Slowenien werde in Zukunft pro Monat 40 bis 50 Menschen Asyl gewähren, zitierte das nationale slowenische Radio Regierungschef Miro Cerar.

Sofort folgte Serbien. Es werde die neuen Regelungen ebenso an seiner Grenze zu Mazedonien und Bulgarien anwenden, teilte das serbische Innenministerium mit. "Damit wird die Balkanroute praktisch geschlossen", zitierten serbische Medien eine entsprechende Erklärung des Ministeriums.

Die serbische Regierung schrieb auf ihrer Internetseite: "Serbien kann es sich nicht leisten, eine Sammelstelle für Flüchtlinge zu werden".

Die beiden Länder riegeln die Balkanroute komplett ab. Slowenien liegt wie ein Sperrriegel zwischen Ungarn und der Adria. Serbien liegt ebenfalls wie ein Block zwischen Mazedonien und Ungarn. Zuvor hatte bereits Mazedonien einen Grenzzaun errichtet und nur eine geringe Zahl syrische und irakische Flüchtlinge weiterreisen lassen.

Auch Kroatien, das zwischen Slowenien und Serbien liegt, kündigt an, seine Grenze zu schließen.

Eine neue Route über die Adria nach Italien

Der einzige Weg aus Griechenland heraus führt für Flüchtlinge jetzt über Bulgarien und Rumänien nach Ungarn. Oder über Albanien und dann mit Schlepperbooten über die Adria nach Italien.

Allerdings hat Ungarn bereits angekündigt, auch an der rumänischen Grenze einen Zaun zu errichten. Nach Albanien gibt es keine Eisenbahnverbindung und die Straßen sind schlecht, was das Reisen für eine große Zahl von Flüchtlingen schwierig macht.

Über die Balkanroute waren im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen nach Westeuropa gelangt. Früher waren die Menschen auf der Balkanroute von einem an den nächsten Staat weitergereicht worden, weil sie in der Regel nach Österreich und vor allem nach Deutschland wollten.

Mit Material der DPA

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit dem Spendenportal Betterplace.org stellt die Huffington Post spannende Projekte vor, die ihr direkt unterstützen könnt:

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