POLITIK
07/03/2016 08:01 CET | Aktualisiert 07/03/2016 08:19 CET

Flüchtlinge sehen hilflose Rentner - und wissen sofort, was zu tun ist

Ein Flüchtling wird zum Held
Getty
Ein Flüchtling wird zum Held

  • Samstagnacht hörte Cris Dahm mehrere Explosionen

  • Der Fotograf macht sich auf den Weg zu einem Großbrand in seiner Heimatstadt Schwelm

  • Was er dort entdeckt, wird viele überraschen

Das Feuer in Schwelm, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, bricht gegen 1 Uhr früh aus. Als die Gasleitung explodiert, liegen viele Bewohner noch in ihrem Bett. Für eine Familie mit Baby und viele Senioren endet der Samstag im Horror.

"Ich dachte zuerst, da knallen Türen", beschreibt der Fotograf Cris Dahm den Moment. Er schnappt sich seine Jacke, um an den Brandort zu fahren, sagt er der "Waz". Dahm sieht die Flammen - und wird Zeuge einer wunderbaren Tat.

Sie frieren auf einer Bank, da tritt ein junger Mann heran

Ein altes Ehepaar und eine Frau retteten sich aus dem brennenden Haus. Sie frieren auf einer Bank, sehen den Feuerwehrleuten zu, wie sie versuchen, das Gebäude vor den Flammen zu retten. Da tritt ein junger Mann von hinten an sie heran und legt ihnen wärmende Wolldecken auf die durchgefrorenen Körper.

Der Mann ist Flüchtling. Zusammen mit anderen Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak ist er zum Nachbarhaus geeilt, um den Einsatzkräften zu helfen. Ohne zu zögern gaben sie den evakuierten Schwelmern ihre Jacken, holten Decken, Bänke und Tische.



Die Helfer befürchteten zunächst das Schlimmste

"Da wurde nicht gegafft, die haben einfach mit angepackt", schreibt Cris Dahm auf Facebook. An diesem Abend habe er nicht nur Feuerwehrleute erlebt, die Ihren Job lieben, sondern auch Hilfsbereitschaft, die von Herzen kam.

Eine Facebook-Userin, die auf den Eintrag von Dahm reagierte, erzählte von ihrem Freund, der an diesem Abend als Einsatzkraft unterwegs war. Die Hilfsbereitschaft sei ihm zufolge auch den Ersthelfern sehr positiv aufgefallen, schreibt sie.

Als Feuerwehr und Rettungsdienst den Einsatzort erreichten, befürchteten die Helfer zunächst das Schlimmste. Als sie die jungen Flüchtlinge vor dem brennenden Gebäude sahen, dachten viele an den Brand eines Asylbewerberheims.

"Nein, nein, nein! Uns geht es gut, helfen sie den anderen Menschen", wehrten die jungen Asylbewerber aber ab. Über eine Übersetzungs-App haben sie mit den Helfern kommuniziert.

Kommunikation:Transalation App :)

Posted by Cris Dahm on Freitag, 4. März 2016



Seit vergangenen Herbst leben ­etwa 30 Asylbewerber in einer Sammelunterkunft in Schwelm. Laut "Waz" hat sich die Nachricht über deren Hilfe in der Brandnacht im ganzen Ort verbreitet. Die positive Resonanz sei überwältigend. "Es tut gut, diese Zeilen zu lesen", schreibt eine Schwelmerin unter den Beitrag von Cris Dahm.



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