POLITIK
07/03/2016 07:14 CET

"Hitlers Antismitismus ist nur Show" - so dachten die Amerikaner 1922 von dem Diktator

Hulton Archive/Getty Images

  • In einem Artikel der New York Times von 1922 wird Hitlers Antisemitismus als politisches Kalkül bezeichnet
  • Viele Leute waren damals überzeugt: Es ist nur Show
  • Dies war eine weit verbreitete Meinung in den 20er-Jahren, sie verrät viel über die Situation heute

"Wehret den Anfängen" - dieses Sprichwort wird häufig zitiert, wenn es um den Aufstieg von Extremisten geht. Denn vielfach werden die politischen Rattenfänger unterschätzt.

Ein besonders anschauliches Beispiel dafür hat jetzt des Webportal "Vox" gefunden: Den ersten Artikel in der "New York Times" über Adolf Hitler.

Nur ein Köder für die Massen

Der Journalist Cyril Brown sah in Hitlers Judenhass ein geschicktes politisches Kalkül, ernst gemeint sei er nicht gewesen.

So schreibt er in dem Artikel vom November 1922:

"Einige vertrauenswürdige, gut informierte Quellen bestätigten, dass Hitlers Antisemitismus nicht so echt oder gewalttätig ist, wie es scheint, und dass er die antisemitische Propaganda nur als Köder benutzt, um seine Anhängerschaft zu vergrößern und die Massen aufzurütteln und enthusiastisch zu stimmen, um dann, wenn die Zeit gekommen ist und er genug Macht angehäuft hat, diese für andere politische Zwecke zu nutzen."

Antisemitismus als Mittel zum Zweck

Nach dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel" geht Brown sogar so weit, Hitler edle Motive zu unterstellen, die dieser nur hinter seinem Antisemitismus verberge, um höhere Ziele durchzusetzen. So zitiert der amerikanische Journalist einen nicht namentlich erwähnten "weltgewandten" Professor:

"Man kann nicht erwarten, dass die Massen edle Ziele verstehen oder wertschätzen. Stattdessen muss man die Massen mit plumperen, simpleren Leckerbissen füttern, wie zum Beispiel mit antisemitischen Parolen. Es wäre politisch komplett falsch, den Menschen die Wahrheit darüber zu erzählen, wo man sie wirklich hinführen will."

"Vox" schließt daraus, dass Cyril Browns Informanten allesamt der Meinung waren, Hitlers Rassenhass sei nur Show. In der Anfangszeit des Nationalsozialismus sei das eine weit verbreitete Meinung gewesen.

Auch der Aufstieg von Pegida und der AfD in den vergangenen Monaten hat die Diskussionen angeheizt, wie rechts Deutschland ist. Hinzu kommt eine Rekordzahl an rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Übergriffen.

Viele Beobachter warnen, dass Deutschland am Beginn einer gefährlichen Radikalisierung steht. Ernst genommen werden sie häufig nicht. Der Artikel der "New York Times" aus den frühen 20er-Jahren sollte uns zur Vorsicht mahnen.

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