POLITIK
06/03/2016 15:15 CET | Aktualisiert 06/03/2016 15:35 CET

Sarrazin warnt: "Europa, wie wir es kennen, wird zerbrechen"

"Europa, wie wir es kennen, wird zerbrechen und sich zu einer großen Freihandelszone entwickeln"
Carsten Koall/Getty Images
"Europa, wie wir es kennen, wird zerbrechen und sich zu einer großen Freihandelszone entwickeln"

  • Thilo Sarrazin sagt das Ende der EU voraus, sollte sich keine Einigung in der Flüchtlingskrise ergeben

  • Besonders wichtig ist seiner Meinung nach der Schutz der EU-Außengrenzen

  • Für Sarrazin steht die EU am Scheideweg

Thilo Sarrazin liebt die Kontroverse. Als der ehemalige Berliner Finanzsenator etwa sein Buch "Deutschland schafft sich ab" veröffentlichte, löste in der Republik eine Debatte über seine Person aus, die ihm den Job als Vorstandsmitglied bei der deutschen Bundesbank kostete.

Was Sarrazin beabsichtigte, war eine Debatte über die Migrationspolitik der Bundesregierung. Und die ist wenige Jahre später tatsächlich voll entbrannt. Er forderte bereits ein Misstrauensvotum gegen die Bundesregierung - und meldet sich nun in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine" (Montagsausgabe) erneut zu Wort.

Darin beschreibt er ein Untergangsszenario für die Europäische Union. Der Staatenbund hänge bereits am seidenen Faden, schreibt er darin.

Sollten sich die Mitgliedsstaaten in der Eurokrise und beim Schutz der Außengrenzen nicht einigen, sieht der frühere SPD-Politiker schwarz: "Europa, wie wir es kennen, wird zerbrechen und sich zu einer großen Freihandelszone entwickeln."

Besonders kritisiert er die gegenwärtige Umsetzung des Schengen-Abkommens. Im Schengen-Raum habe es dreißig Jahre gedauert, ehe der Zustrom von Migranten dessen Konstruktionsmängel sichtbar gemacht habe, die Schwächen der Währungsunion traten schon nach zehn Jahren zutage.

"Wir müssen entscheiden, ob wir das wirklich wollen"

Eine vorläufige Aussetzung des Schengen-Regimes könne Europa für eine Atempause nutzen, um sich die Situation ehrlich vor Augen zu rufen: "Viele hundert Millionen Menschen aus unterentwickelten und schlecht regierten Ländern wollen nach Europa. Sie werden in Zukunft vor allem aus Afrika kommen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir das wirklich wollen", heißt es in dem Beitrag der FAZ.

Kontroverse um Sarrazin

Seine weiteren Buchveröffentlichungen riefen immer wieder Proteste hervor. So sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble zu Sarrazins 2012 erschienenem "Deutschland braucht den Euro nicht": "Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn, oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül."

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