POLITIK
06/03/2016 10:22 CET | Aktualisiert 07/03/2016 07:25 CET

SPD-Chef Gabriel kritisiert "zynische" Haltung vieler Deutscher in der Flüchtlingsdebatte

SPD-Chef Sigmar Gabriel steht derzeit heftig in der Kritik (Archivbild)
dpa
SPD-Chef Sigmar Gabriel steht derzeit heftig in der Kritik (Archivbild)

  • Gabriel kritisiert Befürworter geschlossener Grenzen

  • Deutschland könne die humanitäre Geste vom Sommer jedoch nicht wiederholen

  • Der SPD-Chef sagt Merkel für EU-Gipfel Unterstützung zu

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat deutliche Worte in der Debatte um Grenzschließungen in Europa gefunden. "Manche in Deutschland freuen sich klammheimlich, dass die Balkan-Staaten den Zustrom mit Grenzschließungen drosseln und für Deutschland quasi die Drecksarbeit machen", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung.

Er halte eine solche Sichtweise für "zynisch", so Gabriel. "Auf Dauer hilft das nicht. Die Flüchtlinge suchen sich andere Wege. Am Ende wird dann das Mittelmeer wieder zum Massengrab“.

"Deutschland kann diese Geste nicht wiederholen"

Zugleich könne die Bundesregierung die fest steckenden Flüchtlinge nicht einfach ins Land holen, anders als im vergangenen Sommer.

Gabriel weiter: "Deutschland kann diese Geste nicht wiederholen, weil sich herausgestellt hat, dass wir in Europa damit weitgehend allein geblieben sind.“

Deutschland könne nicht jedes Jahr eine Million Flüchtlinge aufnehmen. Im Bestreben, die Flüchtlingszahlen deutlich zu senken, werde er die Kanzlerin beim EU-Gipfel am Montag in Brüssel "unterstützen".

Der EU-Gipfel als Schritt in Richtung europäische Einigung

Das Zusammentreffen der 28 EU-Staats- und Regierungschefs mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu soll einen weiteren Schritt in Richtung einer europäischen Lösung der Flüchtlingskrise bringen. Am Samstag hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Türkei Migranten ohne Asylanspruch wieder zurücknimmt und damit die Europäer entlastet.

Der SPD-Chef war zuletzt heftig in die Kritik geraten, nachdem er ein "Solidarpakt für Deutschland" gefordert hatte. Eine Milliarde Euro mehr sollen allein für Sprachkitas, Schulsozialarbeit und bessere Nachmittagsbetreuung investiert werden - außerdem Initiativen gegen Langzeitarbeitslosigkeit und den Bau neuer Sozialwohnungen.

Politologen hatten Gabriel zuletzt vorgeworfen, Flüchtlinge und bedürftige Einheimische gegeneinander auszuspielen.

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