POLITIK
06/03/2016 17:50 CET | Aktualisiert 07/03/2016 03:21 CET

Pfarrer vertrieben: So rassistisch ist ein bayerisches Dorf

Joe Raedle/Getty Images
Die Dorfgemeinde hat ihrem Pfarrer mit dem Tod gedroht

  • Ein kongolesischer Pfarrer verlässt die bayrische Gemeinde Zorneding
  • Er hatte fünf Morddrohungen bekommen
  • Generell verschlechtert sich das Klima gegenüber Pfarrern und Mitglieder von Kirchengemeinden, die Flüchtlingen helfen

Auch wenn Fälle wie jene in Clausnitz extrem präsent waren: Rassismus gibt es nicht nur in Sachsen.

In der oberbayerischen Gemeinde Zorneding etwa muss nun Olivier Ndjimbi-Tshiende, ein kongolesische Pfarrer, seine Kirche verlassen. Er erhielt fünf Morddrohungen. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Der Fall macht wütend - und zeigt, wie tief Fremdenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Ndjimbi-Tshiende hatte rechtspopulistische Äußerungen des CSU-Ortsvorsitzenden in einem Beitrag für eine Lokalzeitung scharf kritisiert. Er bezeichnete Flüchtlinge als Invasoren - das wollte sich der Pfarrer nicht gefallen lassen.

Hässliche Drohungen

Nach dem Beitrag erhielt der Pfarrer anonyme Zuschriften, auf denen so verabscheuungswürdige Sätze wie "Ab mit Dir nach Auschwitz" standen, außerdem sei ihm offen mit Gewalt und Mord gedroht worden. "Nach der Vorabendmesse bist Du fällig", haben ihm Einwohner des Dorfes auf der Straße hinterher gegrölt, berichtet die "SZ". In drei Fällen hat Ndjimbi-Tshiende deshalb Anzeige wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung erstattet. Die Kriminalpolizei Erding ermittelt.

Das Klima gegenüber Pfarrern verschlechtert sich

Das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising sagte der "SZ", generell verschlechtere sich die Stimmung. Auch in der Flüchtlingshilfe engagierte Gläubige seien immer stärker mit Anfeindungen konfrontiert.