LIFE
05/03/2016 10:37 CET | Aktualisiert 06/03/2016 11:09 CET

Was eine kinderlose Frau allen Eltern zu sagen hat

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Sie kennen mich. Ich bin die Frau, die keine Kinder will. Und ich muss zugeben: Alle Vorurteile über solche Frauen treffen auf mich zu. Ich möchte meine Freiheit nicht aufgeben. Ich möchte Karriere machen. Und ich habe kein Bedürfnis danach, mich um einen kleinen Menschen zu kümmern.

Babygeschrei im Zug macht mich aggressiv. Ich weiß nicht, wie man mit kleinen Kindern spricht. Wenn andere über ein süßes Baby-Video reden, kann ich ihre Entzückung nicht nachvollziehen. Manchmal wache ich sogar nachts verschwitzt auf, weil ich geträumt habe, ich wäre schwanger.

Alles in allem steht es wohl ziemlich schlimm um mich. Vielleicht fehlt mir ein Gen oder ein Instinkt. Vielleicht bin ich einfach falsch programmiert.

Liebe Eltern, ihr und ich werden wohl nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Ihr versteht vieles an mir nicht und ich kann vieles an euch nicht verstehen. Es wird in Zukunft immer mehr Menschen wie mich geben, die eurem exklusiven Club nicht beitreten wollen. Die sich gegen ein Leben mit Kindern entscheiden.

Gerade deshalb möchte ich euch gerne etwas mitteilen. Als Beitrag zur Völkerverständigung sozusagen. Ich möchte, dass ihr wisst: Ich verstehe euch vielleicht nicht, aber ich bewundere euch.

Ich bewundere, dass ihr die Entscheidung trefft, euer eigenes Leben dem eines anderen Menschen unterzuordnen. Für immer. Ab dem Tag, an dem ihr Eltern werdet, wird niemals etwas anderes wichtiger sein. Auch nicht eure eigenen Bedürfnisse.

Vielleicht würdet ihr manchmal abends gern mit Freunden ausgehen. Stattdessen bleibt ihr zu Hause und lest euren Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Ihr deckt sie zu, drückt ihnen einen Kuss auf die Stirn und lasst die Tür offen, damit sie sich nicht fürchten.

Vielleicht würdet ihr im Urlaub gern in die Karibik fliegen, eine Kreuzfahrt machen, tauchen gehen. Stattdessen macht ihr Ferien auf dem Bauernhof, damit eure Kinder Ponys streicheln können. Oder in einem Club-Hotel auf Mallorca, wo es Wasserrutschen und Planschbecken gibt.

Vielleicht seid ihr auch seit Jahren gar nicht in den Urlaub gefahren, weil das mit kleinen Kindern so stressig und teuer ist.

Ich bewundere, dass ihr ruhig bleibt, auch wenn sich eure Kinder manchmal benehmen wie kleine Dämonen. Ihr liebt sie trotzdem, auch wenn sie Dinge sagen, die euch weh tun. Ihr trocknet ihre Tränen, wenn sie aus Wut auf euch weinen.

Ihr wischt Hintern ab, macht Rotznasen sauber, lasst euch anspucken. Und das alles ohne es eklig zu finden. Stattdessen nehmt ihr die kleinen klebrigen Hände in eure und gebt euren Kindern das Gefühl, dass sie das Wertvollste auf der Welt für euch sind.

Besonders ihr, liebe Mütter, nehmt es in Kauf, dass eure Karriere warten muss. Bestimmt habt auch ihr Spaß am Job und wollt etwas erreichen. Ihr habt eine lange Ausbildung hinter euch und gerade, als sich diese Mühen auszahlen, macht ihr für euer Baby eine Pause. Obwohl ihr danach vielleicht nie da weitermachen könnt, wo ihr aufgehört habt. Ich bewundere euch für diesen Mut.

Ich bewundere euch dafür, dass ihr Stunden damit verbringen könnt, Memory zu spielen. Und so tut, als wüsstet ihr nicht längst, wo alle Paare liegen. Ich bewundere euch dafür, dass ihr euch Zeit nehmt, einer Puppe Zöpfe zu flechten oder den Hut dieser verdammten Playmobil-Figur zu suchen. Obwohl noch so viel Arbeit auf euch wartet.

Ihr hört euren Kindern zu, wenn sie Geschichten erzählen, die keine Pointe haben und oft wenig Sinn machen. Ihr lacht über Witze, die nicht witzig sind. Ihr hängt an den kleinen Lippen, als wenn sie Weisheiten aussprechen würden, die sonst niemand kennt.

Am meisten bewundere ich aber, dass ihr ein Risiko eingeht, das größer kaum sein könnte: Ihr liefert euch einem anderen Menschen aus, mit Haut und Haaren. Ihr geht eine Bindung ein, die niemand jemals zerstören kann.

Ich kann mir die Sorgen vorstellen, die euch quälen, wenn euer Kind krank ist. Wenn es nicht zur verabredeten Zeit nach Hause kommt. Ich kann den Schmerz ahnen, den ihr durchmacht, wenn tatsächlich etwas passiert. Ein Kind zu verlieren, muss das Schlimmste sein, das ein Mensch erleben kann.

Alles, was ich hier schreibe, sind natürlich Vermutungen. Nur ihr wisst, was es wirklich bedeutet, Eltern zu sein. Und alle Eltern sind anders. Aber vielleicht zeigt es euch, dass Menschen wie ich zwar kinderlos, aber nicht herzlos sind. Wir sehen, was ihr leistet. Und wir sagen: Respekt.