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05/03/2016 05:03 CET | Aktualisiert 05/03/2016 06:09 CET

Flüchtlinge: Hamburg wagt eine Veränderung, die sich bisher wenige trauen

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In deutschen Städten bekommen Flüchtlinge diese Aufgabe - damit sie sich integrieren

Es ist die eine Sache, Tausende Flüchtlinge an der Grenze einreisen zu lassen. Eine andere Sache ist es, sie unterzubringen und in die Gesellschaft einzugliedern.

Viele Gemeinden suchen verzweifelt nach Wohnraum. Es ist natürlich keine Lösung, Mieter aus ihren Wohnungen rauszuwerfen, damit Asylbewerber einziehen können. Das würde die Angst vieler Bürger nur weiter anschüren. Und menschlich ist es erst recht nicht. Doch was tun?

Unterkunft zum Selbst-Bauen

Woher soll der Wohnraum für Hunderttausende Menschen kommen, die in Deutschland Schutz suchen? Einige Städte haben sich eine besondere Lösung ausgedacht: Sie lassen Flüchtlinge ihre Unterkunft selbst bauen.

Schon im September haben Flüchtlinge in Düsseldorf ihr eigenes Haus gebaut - unterstützt vom Bund deutscher Architekten.

Auch im Landkreis Meißen und in der sächsischen Kleinstadt Augustusburg findet diese Idee Anklang. Und nun hat auch Hamburg nach einem Vorschlag von Rot-Grün beschlossen, Asylbewerber selbst bauen zu lassen.

Asylbewerber "nicht zur Untätigkeit verdammen"

"Wir wollen den Menschen Angebote machen, um sie zügig in unserer Gesellschaft einzugliedern", sagt Olaf Duge, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion auf der Webseite der Partei. "Deshalb dürfen wir sie nicht zur Untätigkeit verdammen, sondern müssen ihnen Chancen geben, aktiv ihre Lebensbedingungen zu gestalten." Ein gemeinsames Projekt wie ein Hausbau scheint dafür ideal.

"Flüchtling ist kein Beruf", mahnte im vergangenen Jahr der Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer. Er forderte, dass Flüchtlinge in Handwerksbetrieben eines Ausbildung machen können. Doch die rechtlichen und bürokratischen Hürden sind hoch.

Vor Monaten versprachen große Unternehmen wie Daimler und Siemens, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Bilanz fällt nüchtern aus: In den meisten Fällen bleibt es für die Asylbewerber beim Praktikum. Übernommen werden sie nur in Einzelfällen.

Die schnelle Hilfe hat Deutschland bisher gut gemeistert. Integration wird die größte Herausforderung der Zukunft sein. Es ist ein guter Anfang, Flüchtlinge durch Bauprojekte wie in Düsseldorf oder Hamburg sofort einzubeziehen - und sie mit in die Verantwortung zu nehmen. Vielleicht würde es auch helfen, endlich jene verstummen zu lassen, die motzen: "Flüchtlinge bekommen alles hinterhergeworfen."

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