WIRTSCHAFT
04/03/2016 05:25 CET | Aktualisiert 04/03/2016 05:53 CET

Strafzinsen: Sparkassen sollen Geld im Tresor bunkern

Sparkasse will lieber ihr Geld bunkern anstatt weiterhin die Strafzinsen der EZB zu zahlen. Das geht aus einem internen Rundschreiben hervor, berichtet die FAZ.
dpa
Sparkasse will lieber ihr Geld bunkern anstatt weiterhin die Strafzinsen der EZB zu zahlen. Das geht aus einem internen Rundschreiben hervor, berichtet die FAZ.

  • Strafzinsen der EZB kosten Banken viel Geld

  • Der Sparkassenverband stellte nun eine Alternative vor

  • Bunkern Sparkassen ihr Geld bald im Tresor?

Die Europäischen Zentralbank (EZB) erlegt den Banken Strafzinsen für das Einlagern von Geld auf. Die Idee der Sparkassen: Das Geld lieber im eigenen Tresor zu bunkern, als der EZB den Minuszins von 0,3 Prozent zu zahlen.

Dafür wird nun in einem internen Rundschreiben des bayerischen Sparkassenverbands, dem 71 Sparkassen angehören, geworben. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), der der Brief vorliegt.

Man überlegt demzufolge, ob es "wirtschaftlicher sein könnte, hohe Bargeldwerte nicht - wie bisher - bei der EZB einzulagern, sondern stattdessen selbst zu verwahren". Es ist die Rede von einem "EZB-Bargeldschutz", also die Banken wollen sich mit Bargeld im eigenen Tresor vor EZB-Strafzinsen schützen.

Wie wirtschaftlich ist die Geldlagerung im eigenen Tresor?

Um die Wirtschaftlichkeit dieser Idee deutlich zu machen, folgen in dem Schreiben Beispielrechnungen: Die Versicherungskammer Bayern biete "auch für größere Bargeldmengen" einen Versicherungsschutz. Dieser koste je 1000 Euro 1,50 Euro zuzüglich Versicherungssteuer. Das macht 0,1785 Prozent - und liegt somit unter dem EZB-Einlagenstrafzins, schreibt die FAZ weiter über den Brief.

Allerdings gibt es noch eventuell weitere Kosten, etwa für Geldtransporte oder einen verstärkten Einbruchsschutz. Dennoch kann sich die Eigenlagerung lohnen angesichts des Negativzinses der EZB.

Laut einer Sprecherin des Sparkassenverbandes in München haben schon mehrere Sparkassen Interesse an dem Programm gezeigt. Konkrete Summen, auch zu gezahlten Strafzinsen, wollte sie dem Bericht zufolge nicht nennen.

Zu viel Geld wird kurzfristig nicht benötigt

In Notenbankkreisen werden diese Überlegungen der Banken nach Informationen der FAZ aufmerksam registriert. "Der Strafzins kostet schon jetzt richtig Geld", sagt ein hochrangiger Notenbanker der Zeitung. Für eine Million Euro, die Banken bei der EZB einlagern, werden 3000 Euro fällig.

Zudem gibt es für die Banken die Möglichkeit, kurzfristig Geld anzulegen. Die Nutzung dieser EZB-Einlagenfazilität ist aber in den vergangenen Monaten gestiegen. Denn die Banken haben mehr Barreserven, als sie kurzfristig benötigen.

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Derzeit haben die europäischen Banken insgesamt 245 Milliarden Euro in der Einlagenfazilität geparkt. Auf ein ganzes Jahr gerechnet müssten sie darauf 735 Millionen Euro Strafzins zahlen, berichtet die FAZ.

Die Überlegungen der bayerischen Sparkassen zeigen aber nun: Geht ein Strafzins über die Schmerzgrenze hinaus geht, kann dies zu Ausweichreaktionen, die nicht der EZB-Stoßrichtung entsprechen.

Einlagezins könnte noch weiter gedrückt werden

Schon in der nächsten Woche könnte der Einlagenzins der EZB jedoch noch weiter in den negativen Bereich gedrückt werden. Angesichts der schwachen Inflationsentwicklung halten Analysten eine nochmalige Lockerung der Geldpolitik mit einer weiteren Senkung der Zinsen und möglicherweise einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms für wahrscheinlich.

Der EZB-Rat könnte am Donnerstag den Einlagenzins auf minus 0,4 oder gar 0,5 Prozent absenken, vermuten Beobachter. Unter Umständen wird der Strafzins dem Bericht zufolge auch gestaffelt verschärft.

Größere Negativzinsen würden den Anreiz erhöhen, dass Banken mit hoher Überschussliquidität - also viel Geld, das sie kurzfristig nicht benötigen, nach Alternativen - Ausschau halten. So wie die bayerischen Sparkassen.

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