POLITIK
04/03/2016 03:20 CET | Aktualisiert 21/05/2016 12:04 CEST

Ein afghanischer Flüchtling zeigte bei "Illner", was falsch läuft in der Asylpolitik

Der afghanische Flüchtling Mazour Hossein Sharifi bei "Maybrit Ilner"
Safiri
Der afghanische Flüchtling Mazour Hossein Sharifi bei "Maybrit Ilner"

  • In der Talkshow "Maybrit Illner" diskutierten die Gäste die Frage: "Wie viel kostet der sozialen Frieden?"

  • Vertreter von SPD und CDU stritten sich, ob es mehr Leistungen für arme Deutsche brauche

  • Ein afghanischer Flüchtling berichtete über seinen Ärger mit den deutschen Regelungen

Was kostet uns die Flüchtlingskrise? "Für die Flüchtlinge ist ganz viel da und für uns nichts", denke viele.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht einen Verteilungskampf zwischen Flüchtlingen und einheimischen Hilfsbedürftigen auf uns zukommen. Er fordert neue Solidarprojekte, Kita-Plätze und bezahlbaren Wohnraum "für alle". Die CDU entgegnet, das sei nicht zu machen.

"Was kostet der soziale Frieden?", war dann auch das Thema der Talkshow "Maybrit Illner" am Donnerstagabend.

Erhellender als der Auftritt der Politiker waren die Worte eines afghanischen Flüchtlings, der abseits der Diskussionsrunde von Illner interviewt wurde.

Das waren die Aussagen der Gäste im Überblick:

Ralf Stegner, SPD: "Nicht den Rechtspopulisten das Feld überlassen"

Der SPD-Vize war ganz auf der Linie von Gabriel: Er wehrte sich gegen den Vorwurf, die SPD würde die Ängste der Bevölkerung angesichts der Flüchtlingskrise instrumentalisieren. "Wir spalten nicht, sondern wir sehen eine Spaltung im Land", sagte er.

Die Aufnahmebereitschaft der Deutschen werde steigen, "wenn die Bevölkerung keinen Grund hat, zu glauben, da wird irgendjemand vorgezogen". Jetzt stünden Politiker vor der Wahl, sich zu kümmern oder "den Rechtspopulisten das Feld zu überlassen".

Jens Spahn, CDU: "Die schwarze Null ist kein Selbstzweck"

Der CDU-Politiker erklärte, warum er die Sozialprojekte der SPD ablehnt. "Die schwarze Null ist kein Selbstzweck, kein Fetisch", sagte er mit Blick auf den Staatshaushalt. "Wir wollen künftige Generationen entlasten."

Die Deutschen stünden finanziell so gut da wie lange nicht. Auch die Flüchtlingskrise habe dies nicht geändert.

"Das einzige, worauf die Deutschen bisher verzichten mussten, sind ein paar Turnhallen. Wenn wir jetzt mal ehrlich sind, hat noch keiner einen Euro weniger gehabt, und das sollten wir ihnen auch nicht einreden."

Trotzdem war verwundert über die Naivität, die die Wirtschaft angesichts des Flüchtlingsstroms zeige. "Ich war überrascht, wie schönfärberisch mancher gesagt hat, das löst jetzt unser Fachkräfteproblem."

Clemens Fuest, Ökonom: "Gabriel macht den Leuten etwas vor"

Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnte, dass die Arbeitslosigkeit durch den Flüchtlingsstrom "erst einmal steigen" werde. Wie hoch dieser Anstieg ausfällt, hänge von Investitionen in die Integration und der Arbeitsmarktpolitik ab.

Im Gegensatz zur Position der SPD sagte er allerdings, der Staat habe nichts zu verschenken. "Es ist wirklich unglaublich!", sagte er entgeistert über Gabriels vorgeschlagene Sozialprojekte. Der SPD-Chef mache den Wählern vor, es gebe etwas zu verteilen.

"Herr Schäuble hat langfristig ein Riesen-Defizit", warnte Fuest. Die Alterung der Gesellschaft werde den Haushalt massiv belasten.

Andreas Hollstein, CDU-Bürgermeister der sauerländischen Stadt Altena: "Hysterie in der großen Politik"

Der Bürgermeister zeigt sich entsetzt über die "Hysterie in der großen Politik". Das Gepolter von CSU-Chef Horst Seehofer sei "verwerflich". "Und genauso verwerflich ist das, was Herr Gabriel gesagt hat."

Er hatte sich - anders als die meisten Amtskollegen - um mehr statt um weniger Flüchtlinge bemüht. "Aus humanitärer Pflicht" hat Altena beschlossen, hundert Flüchtlinge mehr aufzunehmen, als der Stadt zugeteilt worden waren.

Hollstein hat einen Plan. Altena sei ein starker Wirtschaftsstandort mit Bevölkerungsverlust. Deshalb habe die Stadt systematisch erfasst, welche Qualifikationen die Flüchtlinge hätten. "Das ist die Mühe wert, die Unternehmen fragen nun gezielt nach."

"Daraus müssen wir eine Win-win-Situation machen", sagte er.

Rita Knobel-Ulrich, Filmemacherin: "Dämliche Politik macht die Bürger wütend"

Die Filmemacherin hat eine Dokumentation über die deutsche Asylpolitik und ihre Widersprüchlichkeit gedreht. "Was die Bürger beunruhigt und was sie zum Teil auch wütend macht, ist diese unglaublich dämliche Politik, auf die ich gestoßen bin", sagt sie.

In ihrem Film "Integrations-Wirrwarr – Große Pläne, kleine Schritte" zeigte sie das ineffiziente Vorgehen bei der Integration von Flüchtlingen.

Mazour Hossein Sharifi, afghanischer Flüchtling: "Die Zeit in Deutschland waren tote Jahre"

Sharifi kam vor fünf Jahren mit großen Hoffnungen nach Bayern. Er lernte Deutsch und macht mehrere Praktika, um sich zu orientieren. Schnell bekam er einen Ausbildungsplatz angeboten.

Seine Chefin begleitete ihn sogar zur Ausländerbehörde, um zu erreichen, dass er diesen annehmen darf. Allerdings wurde ihm die Ausbildung untersagt. Als Afghane hat er nur eine Duldung, die alle drei Monate verlängert wird.

Daher bezeichnete er seine Zeit in Deutschland als "tote Jahre". "Wenn man schon abgeschoben wird, dann bitte lieber im ersten Jahr und nicht nach fünf Jahren", sagte der junge Mann.

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