POLITIK
04/03/2016 12:49 CET | Aktualisiert 05/03/2016 04:58 CET

Das ist die Botschaft eines Afghanen an Flüchtlinge, die Frauen im Schwimmbad belästigen

In den vergangenen Wochen kam zu zahlreichen sexuellen Übergriffen in Schwimmbädern.
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In den vergangenen Wochen kam zu zahlreichen sexuellen Übergriffen in Schwimmbädern.

  • Ein sexueller Übergriff durch Flüchtlinge in einem Schwimmbad nahe Hamburg sorgt für Diskussionen

  • Ein Afghane, der seit Kurzem in Deutschland lebt, verurteilt die Taten scharf

  • Betreiber von Bädern sehen keinen Anstieg der sexuellen Übergriffe seit dem Beginn der Flüchtlingskrise

Erst vor wenigen Tagen sorgte wieder ein Fall von sexueller Belästigung für Aufregung. In dem Spaßbad "Arriba" in Norderstedt nahe Hamburg sollen zwei Afghanen Mädchen sexuell genötigt haben.

Die Details sind gruselig: Die zwei Männer bedrängten die Frauen und als diese flohen, verfolgten die Männer die Mädchen bis zur Rutsche. Dort saßen die Frauen dann in der Falle, als die Männer sie belästigten und wohl auch missbrauchten. Die Staatsanwaltschaft sieht den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt.

Nun hat ein junger Afghane deutliche Worte für seine Landsleute gefunden, die an der Tat beteiligt waren:

"Das sind aus meiner Sicht hoffnungslose Fälle. Und solche müssen aus meiner Sicht das Land verlassen. Sonst werden Leute denken, dass sich alle Flüchtlinge so verhalten, wie sie es tun. Für mich und all die, die sich hier wirklich integrieren wollen, macht es das Leben schwerer, als es ohnehin schon ist."

"Inakzeptabel, ohne Ausnahme"

Mohammad Shoaib Razayi heißt der Mann, der diese Sätze gesagt hat. Er ist Afghane, Flüchtling und er arbeitet für die Hamburger Tageszeitung "Hamburger Abendblatt".

Weiter sagte er:

"Das ist inakzeptabel. Und zwar ohne Ausnahme. Die Männer wissen schließlich, dass sie in ein Land gekommen sind, in dem es eine andere Kultur gibt. Das ist ganz sicher für niemanden eine Überraschung."

Razayi nimmt nicht nur Bezug auf die Vorfälle in Norderstedt, sondern auf die zahlreichen weiteren Fälle sexueller Belästigung in Schwimmbädern und an FKK-Stränden der Ostsee durch Flüchtlinge in den vergangenen Monaten.

Reihe von Übergriffen in Schwimmbädern

Für viele Deutsche sind die Vorfälle in den Schwimmbädern nach den Ereignissen von Köln jetzt ein weiterer Beleg, dass mit der Flüchtlingskrise auch die Kriminalität in Deutschland steigt.

Und tatsächlich reiht sich der Vorfall in Norderstedt in eine Serie von ähnlichen Ereignissen ein. Allein in den vergangenen acht Wochen kam es zu sexuellen Belästigungen in Schwimmbädern unter anderem in München, Hannover, Zwickau, Hachenburg, Straubing, Steinfurt, Aurich, Delmenhorst.

Auch im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Fälle von sexuellen Belästigungen in Schwimmbädern. Es scheint gerade so, als wären Frauen in den Bädern zu Freiwild geworden.

Natürlich ist das völliger Quatsch. Wer mit Schwimmbadbetreibern in ganz Deutschland spricht, hört fast unisono die Antwort, dass es bei ihnen keine Probleme mit Übergriffen durch Flüchtlinge gebe. Es handelt sich bei den Fällen um Ausnahmen und nicht um die Regel.

Betreiber von Schwimmbädern in elf Städten bestätigten der Huffington Post, dass es bei ihnen keine Zunahme von sexuellen Übergriffen in den vergangenen Monaten gegeben habe.

Zahl der Übergriffe steigt nicht

So lag die Zahl der gemeldeten Sexualdelikte in den Münchner Bädern bei 19 in den Jahren 2013 und 2015 und bei 12 im Jahr 2014. Hinzu kommen pro Jahr und 10 "Beleidigungen auf sexueller Grundlage".

Wie ein Sprecher gegenüber der Huffington Post sagte, verzeichnen die einzelnen Bäder in München derzeit "keine Zunahme von Auseinandersetzungen oder Übergriffen".

Die eigentliche Gefahr besteht in vielen Bädern vielmehr darin, dass Flüchtlinge nicht schwimmen können und in einigen Fällen zu ertrinken drohten.

Auch Krisenberater, die sexuell belästigten Frauen helfen, verzeichnen keinen Anstieg der Fälle aus Schwimmbädern. So sagt Yvonne Halejcio-Lindner vom Krisen und Beratungszentrum für vergewaltigte und sexuell belästigte Frauen in Berlin gegenüber der Huffington Post: "Wir haben bislang keine Häufung von betroffenen Frauen, die sexuelle Belästigung in Schwimmbädern erfahren haben."

In vielen Fällen werden die Übergriffe auch nicht durch Flüchtlinge, sondern deutsche Täter verübt.

Zudem zeigen alle bisherigen Untersuchungen, dass durch die Flüchtlinge die Kriminalitätsrate nicht steigt - auch jenseits der Schwimmbäder.

Gleichwohl: Jede Belästigung ist eine Belästigung zuviel - durch wen auch immer. Insofern hat der Afghane Mohammad Shoaib Razayi auch recht, wenn er das durchaus bei einigen Flüchtlingen vorhandene falsche Frauenbild anprangert und die sexuellen Übergriffe verurteilt.

Trotz der Tatsache, dass es sich bei den Übergriffen um Einzelfälle handelt, scheint die mediale Aufmerksamkeit, die den Vorfällen in den Schwimmbädern zuteil wird, Wirkung zu zeigen. Das hat auch Razayi beobachtet.

"Keine Frau soll sich vor meiner Kultur verstecken müssen"

Er schreibt im "Hamburger Abendblatt":

"Die Mutter meiner Gastfamilie wollte nicht mit uns – mir und einem anderen Flüchtling – zusammen schwimmen gehen. Sie ging so weit entfernt von uns ins Wasser, dass wir sie nicht mehr sehen konnten. Das tat sie, denke ich, weil sie glaubte, dass wir als junge Männer aus Afghanistan damit nicht zurechtkommen würden, sie so leicht bekleidet zu sehen. Und so hat sie sich vor uns versteckt."

Für ihn ist das die falsche Reaktion, Auslöser ist das Fehlverhalten einiger weniger Flüchtlinge.

Razayi wünscht sich, dass sich keine Frau aus Angst vor seiner Kultur verstecken müsse – "weder im Schwimmbad noch am norddeutschen Strand oder sonst wo".

Mitarbeit: Lea Kosch und Lennart Pfahler