POLITIK
04/03/2016 06:34 CET | Aktualisiert 04/03/2016 06:37 CET

Nach Sex-Attacke in Norderstedt: Mit diesen absurden Regeln will das Spaßbad reagieren

Nach Sex-Attacke in Norderstedt: Mit diesen absurden Regeln will das Spaßbad reagieren
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Nach Sex-Attacke in Norderstedt: Mit diesen absurden Regeln will das Spaßbad reagieren

  • Ein 14-Jähriger und ein 34-Jähriger sollen zwei Mädchen im Norderstedter "Arriba"-Spaßbad vergewaltigt haben

  • Laut Polizeiangaben handelt es sich um zwei Flüchtlinge aus Afghanistan

  • Die Stadt Norderstedt will nun eine absurde Regel einführen, um sexuelle Übergriffe zu verhindern

Das "Arriba"-Erlebnisbad in Norderstedt reagiert auf die mutmaßliche Vergewaltigung zweier Schülerinnen mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Laut Geschäftsführung soll die Zahl der Überwachungskameras erhöht werden. Und: Security-Mitarbeiter "in Zivil" sollen das Bad überwachen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Richtig absurd ist aber die Maßnahme, die der Sprecher der Stadt Norderstedt, Bernd Olaf Struppek, ergreifen will: "Wir werden an der Wildwasserrutsche nun Zeiten einführen, zu denen nur Frauen oder nur Kinder rutschen dürfen." Darüber hinaus soll es künftig Schilder mit durchgestrichener Hand geben, die unabhängig von der Landessprache verstanden werden: Angrabsch-Verbot.

Der Vorwurf: Sexuelle Übergriffe in der Wasserrutsche

Der mutmaßliche Übergriff ereignete sich am Sonntag vor einer Wasserrutsche im "Arriba"-Erlebnisbad. Laut Polizeiangaben wurden eine 14-jährige und eine 18-jährige Schülerin von zwei Männern belästigt. Daraufhin flohen die Mädchen in eine der Wasserrutschen.

Dort seien sie von dem 14-Jährigen und 34-Jährigen verfolgt und weiter sexuell genötigt worden. Am Ende der Wasserrutsche soll es dann zu weiteren, schweren sexuellen Handlungen gekommen sein.

"Es handelt sich um eine schwere Straftat"

"Das Sicherheitspersonal hielt daraufhin die beiden Beschuldigten fest und informierte die Polizei", sagte Polizeisprecherin Silke Westphal. Die mutmaßlichen Täter hätten das Mädchen und die junge Frau so berührt, dass rechtlich der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt sei, erklärte Westphal.

Aufgrund der massiven Handlungen handelt es sich hier um eine schwere Straftat. Wegen des Verdachts der Vergewaltigung wurde der 14-Jährige in der JVA Schleswig, der 34-Jährige in der JVA Neumünster in Haft genommen.

Mutter überzeugt: Ihr Sohn ist unschuldig

Laut Polizeiangaben handelt es sich bei dem Jungen und dem Mann um zwei Flüchtlinge aus Afghanistan. Bei "RTL Explosiv" meldete sich die Mutter des 14-jährigen Afghanen zu Wort. Der mutmaßliche Täter wohnt mit seiner Mutter zusammen mit seinem 11-jährigen und 16-jährigen Bruder in Ellerau, der Vater hält sich derzeit im Iran auf.

Die Mutter kann sich nicht vorstellen, dass ihr Junge die Mädchen sexuell belästigt hat: „Ich bin davon überzeugt, dass mein Sohn das nicht gemacht hat. Er ist in Afghanistan Frauen immer respektvoll begegnet.“

Der Vorfall ist nicht der erste dieser Art in dem "Arriba"-Erlebnisbad. Laut "Bild" soll es schon 2014 eine Sex-Attacke auf fünf junge Mädchen gegeben haben. Damals hätten mehrere Männer die Mädchen auf einer Rutsche in einer dunklen Kurve gestoppt und an den Brüsten und zwischen den Beinen begrapscht.

Die Übergriffe wurden von Kameras in der Rutsche aufgezeichnet, die Täter erwischt. Insgesamt 226 Polizei-Einsätze hat es im "Arriba" 2014 gegeben, vorwiegend wegen Diebstahl, Trunkenheit und Fehlverhalten im Bad.

Ministerpräsident Albig warnt vor vorschnellen Schlüssen

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig mahnte an, keine vorschnellen Schlüsse hinsichtlich vermeintlichen oder tatsächlichen sexuellen Straftaten von Asylbewerbern oder Flüchtlingen zu ziehen, wie "Focus Online" berichtet.

In großen Gruppen von Menschen, ob deutschstämmig oder nicht, gebe es immer welche, die sich nicht an die Regeln halten, sagte Albig vor dem Hintergrund der jüngsten Vorfälle im Kieler Einkaufszentrum „Sophienhof“ und des Vergewaltigungsverdachts in Norderstedt.

Medien, Politik und Gesellschaft dürften nicht das Maß verlieren, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Kiel. "Es ist aber wichtig, dass wir jetzt nicht Bilder produzieren, die das Gefühl in der Öffentlichkeit vermitteln, als hätten wir es nur noch mit Vergewaltigern oder mit sexuellen Übergriffen zu tun.“

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