POLITIK
04/03/2016 00:14 CET | Aktualisiert 04/03/2016 03:29 CET

Experte warnt: So schlittern Russland und die Nato in einen Krieg

Eine Übung auf eine britischen Atom-U-Boot
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Eine Übung auf eine britischen Atom-U-Boot

  • Experte August Cole: Der Syrien-Konflikt könnte einen Krieg zwischen Nato und Russland auslösen

  • Russland könnte im Konfliktfall das Baltikum angreifen

  • Ein Krieg würde mit Cyber-Angriffen beginnen

Ein Experte warnt vor einer Eskalation des Syrien-Krieges. Der Politik-Experte August Cole sagt im Interview mit "Focus Online", dass der Konflikt im Nahen Osten sich zu einem dritten Weltkrieg ausweiten könnte.

"Die USA und Russland sollten beide sehr besorgt sein, was eine mögliche Eskalation in Syrien angeht", sagt Cole.

Er leitet beim amerikanischen Thinktank Atlantic Council das Projekt "Art of Future Warfare". Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Singer hat er vor Kurzem den Roman "Ghost Fleet" veröffentlicht, der vor allem unter Militärs viel Beachtung findet. Er beschreibt, wie ein dritter Weltkrieg aussehen könnte.

"Große Kriege fangen mit kleinen Dingen an"

"Große Kriege fangen manchmal mit kleinen Dingen an", warnt Cole. Er fürchtet, dass aus dem Syrien-Konflikt ein wesentlich größerer werden könnte: nämlich einer zwischen Russland und der Nato.

Das Gefährliche am Syrienkonflikt sei, dass so viele Parteien darin beteilig seien. Russland, die USA, der Iran, Saudi-Arabien, der Islamische Staat, die Türkei, die Kurden. Die Konstellationen von Gegnern und Verbündeten sind mittlerweile unüberschaubar geworden.

Dazu passend: US-Wissenschaftler warnt vor 3. Weltkrieg

Er zeichnet ein Szenario, in dem die russische Luftwaffe – egal ob gewollt oder aus Versehen – amerikanische Einsatzkommandos bombardiert.

Russland würde Osteuropa in nur drei Tage überrennen

"Plötzlich sähen sich die USA mit einer sehr schwierigen Situation konfrontiert. Wie reagiert man angemessen darauf?" Cole befürchtet, dass ein solcher Vorfall zur Eskalation führen könnte – die sich jedoch nicht nur auf Syrien beschränken würde.

Wladimir Putin hätte kaum eine Chance gegen die USA im Nahen Osten. Doch dass Putin sich und vor allem seinem Volk das eingestehen würde, glaubt Cole nicht. Der russische Präsident würde seinem Volk seine Erzählung der Geschichte aufbinden, glaubt Cole.

Er ist der Ansicht, dass Putin zur Vergeltung eine zweite Offensive starten könnte – nämlich im Baltikum. "Im Baltikum ist Russland wesentlich besser aufgestellt", sagt er.

Mit dem Szenario eines russischen Angriffs auf das Baltikum hat sie bereits die RAND Corporation beschäftigt, ein US-Thinktank, der das Militär berät. Die Experten kamen zu einem düsteren Schluss.

Russland würde Osteuropa in nur drei Tage überrennen. Damit wäre ein Krieg gegen die Nato-Verbündeten schnell vorbei. Die RAND Corporation mutmaßte, dass Russland innerhalb von 36 bis 60 Stunden mit seinen 27 schwerbewaffneten Bataillonen die 12 leichtbewaffneten der Allianz beseitigen würde, um das Baltikum zu besetzen.

Satelliten wären das erste Ziel

Cole glaubt, dass ein großer Krieg zuerst mit Cyber-Attacken beginnen würde. "Ein dritter Weltkrieg würde beginnen, ohne dass es die Menschen überhaupt merken." Denn der Anfang wäre nicht zwingend die Zerstörung einer Stadt – sondern vielleicht die Zerstörung eines Satelliten, der wichtig für die Kommunikation oder Navigation eines Landes ist.

Die Länder und ihr Militär seien von der Navigation via GPS abhängig. Wessen Satelliten zerstört sind, der wird angreifbar.

Er ist nicht der einzige, der Syrien als möglichen Auslöser eines großen Konfliktes sieht. Er halte einen dritten Weltkrieg zwar für "sehr unwahrscheinlich", sagte Michael O’Hanlon, Verteidigungsexperte beim Washingtoner Thinktank Brookings, vergangene Woche der "Welt am Sonntag". Doch auszuschließen sei er nicht.

Ihm bereiten zwei Szenarien Sorgen. Das erste: Ein Konflikt in Syrien zwischen der Türkei und Russland, in dem sich die Nato gezwungen sehe einzugreifen. Mit dem Abschuss eines russischen Kampfjets kam man diesem Szenario erschreckend nahe.

Das zweite Horror-Szenario: "US-Kräfte schießen ein russisches Flugzeug ab – oder töten aus Versehen eine Gruppe von russischen Soldaten, worauf Russland seine Attacken nicht nur in der Ukraine eskalieren lässt, sondern vielleicht sogar in Lettland oder Estland einen Vergeltungsschlag ausführt." Er sieht also die gleichen Gefahren wie Cole.

Der Roman-Autor Cole hofft, dass all die Szenarien, die er auch in seinem Buch beschreibt, lediglich Fiktion bleiben und dass nichts von alledem eintreten wird. Trotzdem sagt er: "Der Nahe Osten bleibt bis auf Weiteres ein Pulverfass, das man gut beobachten muss."

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