POLITIK
02/03/2016 09:09 CET | Aktualisiert 02/03/2016 09:41 CET

Wie realistisch ist es, dass ein Irrer der mächtigste Mann der Welt wird? Hier sind 8 Antworten

Wie realistisch ist es, dass ein Irrer der mächtigste Mann der Welt wird? Hier sind 8 Antworten
Bloomberg via Getty Images
Wie realistisch ist es, dass ein Irrer der mächtigste Mann der Welt wird? Hier sind 8 Antworten

Der Konservative Donald Trump geht als Sieger aus dem "Super Tuesday" hervor – dem Superwahltag bei den US-Vorwahlen. Jener Mann also, der sich gegen die Einreise von Muslimen ausspricht, eine Grenzmauer zu Mexiko bauen will – und gerne öffentlich als Frauenfeind auftritt. "Trump ist ein Irrer. Ein Mussolini.", sagte Pulitzer-Preisträger Richard Ford kürzlich der "Welt.

Und auch viele in Deutschland schauen angesichts des Erfolgs von Trump kopfschüttelnd nach Amerika: Doch wie realistisch ist es nach dem "Super Tuesday" wirklich, dass Trump im November ins Weiße Haus einzieht?

Hier sind 8 Antworten:

1. Am "Super Tuesday" konnte Trump einen wichtigen Grundstein legen

Für Trump war der Wahlerfolg am "Super Tuesday“ ein entscheidender Schritt in Richtung Weißes Haus. Zumindest der Sieg der Vorwahlen wird für den Milliardär nun immer wahrscheinlicher.

Seit 1988 wurden alle Kandidaten, die an diesem Superwahltag im März die meisten Delegiertenstimmen holten, von ihrer Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert. Mehr als nur ein gutes Omen für Trump.

2. In Florida und Ohio könnte Trump nun die Vorentscheidung gelingen

In Florida und Ohio finden die Vorwahlen am 15. März statt. Der Termin ist so entscheidend, weil es in den beiden Bundesstaaten zusammen mehr als 150 Delegiertenstimmen zu gewinnen gibt.

Das sind mehr Delegierte als im stimmgewaltigsten Bundesstaat Kalifornien. Und: Diese werden dort nach dem „The Winner Takes it All“-Verfahren vergeben. Laut Umfragen liegt Trump bei den Republikanern in beiden Staaten vorne. In Florida sogar deutlich.

3. Im Zweikampf mit Clinton kann Trump sich profilieren

Kommt es also tatsächlich zu einem Kopf-an-Kopf –Rennen zwischen Trump und Hillary Clinton, könnte Trumps provokante und aufbrausende Art noch einmal Gold wert sein. Denn: Auch wenn Clinton bisher solide Ergebnisse erzielt, für Begeisterung sorgt die ehemalige First Lady bei ihren Auftritten selten.

Auch deshalb konnte der für US-Verhältnisse ultralinke Bernie Sanders seit vergangenem Sommer bei den Demokraten Erfolge feiern. Großmaul Trump wäre für die sachliche Clinton ein sicherlich unangenehmer Kontrahent.

4. Mit seinem Rassismus trifft Trump den Nerv vieler Amerikaner

Der Vorschlag Trumps, Muslimen ein Einreiseverbot in die USA zu erteilen, seine Hetze gegen Latinos, Provokationen gegenüber Afroamerikanern: Der Milliardär schlägt häufig mit fremdenfeindlichen und rassistischen Aussagen über die Stränge.

Dahinter steckt Überzeugung, aber sicherlich auch Kalkül. Denn Trump bedient einen Rassismus, der tief in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft verankert zu sein scheint.

Erst vergangene Woche wurden in Fort Wayne, Indiana, drei junge Muslime erschossen – wohl aus rassistischen Motiven. Trump stachelt die Stimmung im Land weiter an, und erhält dafür bei seinen Auftritten Applaus von Zehntausenden.

5. Trump hat bisher auf jede Herausforderung eine Antwort

Donald Trump hat nicht nur die Demokraten gegen sich, sondern auch seine eigene Partei. Die etablierten Politiker der Republikaner stellen sich hinter Marco Rubio oder Ted Cruz, im Vorfeld des "Super Tuesday" appellierte das Partei-Establishment mehrmals an die Wähler, nicht für Trump zu stimmen. Alles vergebens.

Auch die breit angelegten Medienkampagnen gegen Donald Trump verpufften ohne Wirkung. Selbst die Empörung über seine sexistischen Äußerungen warf Trump nicht aus der Bahn – im Gegenteil:

Der Immobilientycoon wütete als Reaktion einfach gegen die „politisch korrekten Idioten in diesem Land“ und punktete so bei vielen politikverdrossenen Wählern.

Clinton wird es schwerfallen, eine Strategie gegen Trump zu entwickeln. Denn jeden Angriff hat er bisher pariert.

6. Trump wird den „Rostgürtel“ gewinnen

Besonders im „Rostgürtel“ der USA, den Staaten Illinois, Indiana, Michigan, Ohio und Pennsylvania, die sich seit der Abwanderung der Schwerindustrie in wirtschaftlicher Schieflage befinden und überwiegend von weißen Wählern bevölkert sind, hat Trump gute Karten.

Seine Opposition gegen die amerikanische Handelspolitik und die vermeintliche Korruption in Washington sichert ihm die Sympathie einer frustrierten, wirtschaftlich abgehängten Wählerschaft.

Clinton dagegen steht wie kein anderer Kandidat für das Establishment, und – obwohl sie sich mittlerweile gegen das TIPP-Freihandelsabkommen positioniert – für Obamas Handelspolitik, die sie als Außenministerin mitverantwortete.

7. Der außenpolitische Kurs der USA missfällt vielen Amerikanern

Barack Obamas Außenpolitik wurde von seinen Gegnern als Schwäche der USA gedeutet. Obama hat das militärische Engagement der USA deutlich reduziert, was die Truppenabzüge aus dem Irak und Afghanistan und die vergleichsweise abwartende Haltung im Syrienkonflikt zeigt.

Trump setzt diesem neuen Isolationismus eine einfache Vision entgegen: „Make America Great Again!“ "Wir sind das großartigste Land, das es je auf der Welt gab", schreibt er in seinem Buch "Time to get tough".

Es sind simple Parolen, mit denen er am rechten Rand auf viel Zustimmung trifft. Trump will Bodentruppen in den Nahen Osten entsenden, dem IS so den Zugang zum Öl abschneiden und den Atomdeal mit dem Iran kündigen.

8. Darum wird am Ende wohl trotzdem nicht für das Weiße Haus reichen

Besonders in den Swing States, den Staaten, in denen der Wahlausgang zwischen Republikanern und Demokraten traditionell knapp ist, muss der rechte Hardliner mit Niederlagen rechnen.

In Florida, Colorado, Nevada und New Mexico, wo viele Latinos leben, hätte Clinton wohl leichtes Spiel gegen ihren fremdenfeindlichen Kontrahenten.

Ähnliches gilt für die afroamerikanische Wählerschaft. Laut Umfragen von Anfang Februar liegt Trumps Zustimmungsrate bei den „Black Voters“ bei lediglich vier Prozent.

Auch bei Frauen, die bei den Wahlen vor vier Jahren 53 Prozent der Wähler ausmachten, kann Obermacho Trump wohl kaum punkten.

Am Ende ginge ein Rennen zwischen Clinton und Trump wahrscheinlich so aus: Die Minderheiten und Frauen verhindern einen Sieg Trumps und bringen mit Hilary Clinton zum ersten Mal eine Frau auf den Chefsessel des Weißen Hauses. Aber was ist schon sicher nach diesen verrückten Vorwahlen?

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