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02/03/2016 05:21 CET | Aktualisiert 02/03/2016 13:39 CET

"Auf kurze Distanz": Tom Schilling gegen die Mafia

dpa
Tom Schillinger ermittelt undercover in "Auf kurze Distanz"

"Auf kurze Distanz" am Mittwoch, 20.15 Uhr, im Ersten geht es zu hart zur Sache. Blut fließt immer wieder. Und das Ende ist auch nicht schön. Aber spannend ist es fast die ganze Zeit.

Das Thema: Geld. Und wo es um viel Geld geht, ist die Mafia nicht weit. Das gilt auch für Sportwetten. Das Manipulieren von Fußballspielen ist ein lukratives Geschäft für die organisierte Kriminalität. Und eins, in dem Misstrauen, Lüge, Verrat und Gewalt alltäglich sind wie in "Auf kurze Distanz".

Der Thriller, bei dem Philipp Kadelbach Regie führte, ist kein Film für gemütliche Abende auf dem Sofa. Dafür spielt er zu viel in trostlosen Wettbüros. Und dafür wird auch viel zu oft so hart zugeschlagen, dass das Nasenbein bricht.

Der Film endet mit der Szene, mit der er beginnt. Aber am Anfang ist sie nicht vollständig zu sehen: Da sind vier Männer im Wald. "Für die Familie", sagt der eine und reicht eine Waffe weiter.

Einer der beiden Jüngeren soll den Vierten erschießen. Was dann passiert, bleibt unklar. Aber die Zuschauer sind eingestimmt auf einen Thriller, in dem es brutal zur Sache geht und immer wieder Blut fließt, auch wenn es nicht jedes Mal Tote gibt.

Tom Schilling ermittelt verdeckt in der Wettmafia

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Klaus Roth, ein Polizist, der sich als verdeckter Ermittler in die serbische Wettmafia einschleusen lässt. Tom Schilling ("Unsere Mütter, unsere Väter", "Who Am I – Kein System ist sicher") ist für diese Rolle eine ideale Besetzung.

"Ich mag ihn gern, den Klaus Roth", sagte Schilling in einem Interview mit der ARD. "Unter den Kollegen gilt er als schwierig. Er hat ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, wodurch er manchmal zur Überreaktionen neigt."

Schilling (34) spielt den sensiblen, eher zurückhaltenden als großspurigen jungen Polizisten mindestens so glaubwürdig wie Edin Hasanovic den jungen Serben Luka. Die beiden stehen auf unterschiedlichen Seiten, aber sie kommen sich immer näher, und in gewisser Weise mögen sie sich sogar.

In einer anderen Welt wären sie Freunde geworden

"Auf Luka habe ich mich so intensiv vorbereitet, wie auf keine Rolle zuvor", sagte der 23-jährige Hasanovic, der bosnische Wurzeln hat und im Februar mit der Goldenen Kamera als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde.

"Zum ersten Mal in meiner beruflichen Laufbahn durfte ich die Rolle so stark mitbestimmen." Bei Text und Handlung habe er ebenso mitreden können wie bei Maske, Kostüm und Requisiten. "Noch nie habe ich mich auf den nächsten Drehtag so gefreut wie bei diesem Film."

In einem anderen Leben wären Klaus und Luka beste Freunde geworden. Aber ein verdeckter Ermittler und ein Mitglied eines serbischen Clans, der vor Erpressung, Wettbetrug und Mord nicht zurückschreckt, haben dafür nicht die besten Voraussetzungen.

Frank Dudek (Jens Albinus), Roths abgebrühter Vorgesetzter, will den jungen Polizisten vor allem benutzen, um an Aco Goric (Lazar Ristovski) heranzukommen, Lukas Onkel und den Paten des Clans.

Und es läuft anfangs auch alles glatt. Die Familie scheint Klaus Roth zu vertrauen, Luka macht ihn zum Paten seines neugeborenes Sohnes. Bei der Tauffeier hält Klaus auf Serbisch eine feierliche Rede.

"Aus kurzer Distanz" ist eine unschöne, aber glaubhafte Story

Aber dann eskaliert ein Konflikt zwischen serbischen und türkischen Wettbetrügern. Und feierliche Reden zählen bald nichts mehr. Das Geschäft geht vor, vor allem das, bei dem in Wettbüros das große Geld gemacht wird.

Alles nur Fiktion? Nicht ganz. Benjamin Best, Journalist und Experte für Wettbetrug im Sport und Autor des Buchs "Der gekaufte Fußball", hat Regisseur Philipp Kadelbach beraten. Und er ist auch verantwortlich für die Dokumentation, die gleich im Anschluss an "Auf kurze Distanz" gesendet wird.

Kadelbach hat außerdem nach eigenen Angaben zu Recherchezwecken viele Stunden in Berliner Wettbüros verbracht und unter anderem mit LKA-Beamten und verdeckten Ermittlern gesprochen.

Das hat sich durchaus bezahlt gemacht. "Aus kurzer Distanz" erzählt seine unschöne Geschichte weitgehend glaubhaft. Ein bisschen überstrapaziert wirkt das Stereotyp von den feierwütigen, Schnaps bechernden Serben, die gerne mal die Fäuste fliegen lassen, für die Familienehre alles ist und ein Menschenleben gar nichts.

Aber es ist schließlich ein Thriller, da wird hier und da mit grobem Pinsel gemalt. Am Schluss in Blutrot.

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