POLITIK
29/02/2016 16:01 CET | Aktualisiert 29/02/2016 16:59 CET

Was Merkel bei Anne Will nicht gesagt hat

ARD Mediathek

Sechs Millionen Menschen haben gestern zugesehen, wie Angela Merkel in der Sendung von Anne Will Stellung zur Flüchtlingspolitik bezog.

Das Echo auf den Auftritt war riesig und überraschend positiv – viele Nutzer in den sozialen Netzwerken waren der Meinung, dass die Kanzlerin sich sehr gut geschlagen hat – trotz vieler kritischer Nachfragen von Anne Will, die bewusst auch das ein oder andere Mal die Argumentation der „Asylkritiker“ aufgriff, um Merkels Rolle von einem anderen Standpunkt zu beleuchten.

Die Kanzlerin jedoch machte klar, dass sie keineswegs gewillt ist, ihren Kurs zu revidieren. Mehr noch: Sie habe keinen Plan B, weil sie voll darauf setze, dass es zu einer gesamteuropäischen Lösung kommt.

Die Krise kann der Anfang einer großen Zukunft sein

Was in der Diskussion über die Sendung unterging war, dass Merkel zwischen den Zeilen eine hoffnungsvolle Vision für die Zukunft Deutschlands und Europa formulierte.

Merkel sagte an einer Stelle: „Ich war mir bewusst, dass es das schwierigste Problem ist, das wir in den nächsten Jahren zu

bewältigen haben.“ Und: „Wir können aus dieser Herausforderung stärker herausgehen, als wir hineingegangen sind.“

Sie hat es damit angedeutet, aber nicht offen gesagt: In der Krise kann auch der Anfang für eine großartige Zukunft liegen. Eine

Zukunft, in der Europas Bürger enger zusammengewachsen sind. Eine Zukunft, in der Europa an seinen Herausforderungen gewachsen ist. Eine Zukunft, in der Humanität über Engstirnigkeit siegt, Großmut über Kleinkarriertheit.

Die Kanzlerin war überraschend emotional

Damit trat sie offen jenen entgegen, die derzeit aufgrund des starken Zuzugs an Flüchtlingen permanent Weltuntergangsfantasien verbreiten.

Wer hätte das gedacht? Die einst so zurückhaltend und bisweilen kühl auftretende Norddeutsche wurde bisweilen sogar emotional. Sie redete etwa davon, dass es ihre „verdammte Pflicht“ sei, eine Lösung zu finden.

Und auch das sagte sie in Bezug auf Umfragen, laut denen viele Menschen immer noch an ihrer Flüchtlingspolitik zweifeln: „Leider glauben so viele nicht dran. Deswegen wünsche ich mir viele Menschen, die daran glauben, dann können wir Berge versetzen."

Das klang fast schon nach „Yes we can“. Eigentlich eine kleine Sensation.