POLITIK
29/02/2016 23:24 CET | Aktualisiert 21/05/2016 12:04 CEST

"Hart aber fair" zur Integration: "Wir dürfen Flüchtlingen nicht Wattebällchen nachschmeißen"

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück bei "Hart aber fair"
ARD Mediathek
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück bei "Hart aber fair"

Einen "Integrationscheck" wollte Frank Plasberg mit dieser Sendung machen. Wie läuft die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt? Ein Einspieler zu Beginn der Sendung macht erstmal wenig Mut.

Die Handwerkskammer München-Oberbayern liefert Zahlen. Von 144 Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran haben 66 Prozent ihre Lehre abgebrochen. Sie nahmen lieber Jobs als Hilfsarbeiter an oder arbeiteten schwarz, da sich so mehr Geld verdienen lässt.

Aus Templin im Norden Berlins berichtet der Bürgermeister. Flüchtlinge hätten ihr Praktikum schon nach drei Tagen abgebrochen. Ein junger Afghane erzählt, dass seine Arbeit im Holzbetrieb zu hart gewesen sei. "Ich war nach der Arbeit einfach zu müde fürs Fußballtraining."

Dann kommt das Gegenbeispiel. Clement aus Ghana ist ein Wirtschaftsflüchtling. Es ist unklar, ob er in Deutschland bleiben darf. Aber er hat eine Lehre als Maler bekommen und ist sehr motiviert. Der Meister freut sich: Wenn Clement so weitermache, "wird er nach drei Jahren ein richtig guter Geselle".

Kann die Integration von so vielen Menschen gelingen? Sind die Flüchtlinge eine Bereicherung für die Gesellschaft? Oder eine Belastung für den Sozialstaat? Das waren die Themen der Sendung unter dem Titel "Jung, männlich, ungebildet? – ein Integrationscheck".

Hier die Aussagen der Gäste im Überblick:

Uwe Hück, Porsche-Betriebsratschef: "Wir dürfen die Jugendlichen nicht verderben"

Der Autolackierer und Kampfsportler gab den zupackenden Realisten - und fiel dabei oft auf Stammtischniveau zurück. "Weniger schwätzen, mehr machen", forderte er. "Wir dürfen die Jugendlichen nicht verderben, indem wir ihnen Wattebällchen hinterherschmeißen."

Ein Flüchtling müsse nur drei Dinge lernen, um erfolgreich zu werden: Deutsch, den Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau und Arbeitseifer. "In Deutschland schwitzt das Trikot nicht von alleine – du musst schon schaffen."

"Aber wenn wir ständig schimpfen und gegen sie hetzen, dann haben sie keinen Bock mehr." Diesen Fehler müssten die Deutschen vermeiden. Schließlich brauche Deutschland schon 2025 6,5 Millionen junge Arbeitskräfte, um seinen Wohlstand zu erhalten.

Petra Bosse-Huber, Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche: "Sie brauchen Menschen, die ihnen unsere Welt erklären"

Das Gegengewicht zu den Stammtisch-Sprüchen von Hück bildete die Bischöfin Bosse-Huber, die sich aber gegen die Lautstärke des Porsche-Chefs nicht immer durchsetzen konnte.

Sie sagte: "Wir müssen aufhören mit der Idealisierung von Flüchtlingen.“ Gleichzeitig verteidigte sie Immigranten gegen den Vorwurf, dass sie schnell etwas verdienen und daher keine Ausbildung in Angriff nehmen wollten.

"Das 'schnelle Geld' hört sich immer an, als ob die Leute Reibach machen wollten", sagte sie. Viele junge Flüchtlinge seien von ihren Familien geschickt worden. "Die sind verantwortlich für ihre Familien, die irgendwo in einem Camp festhängen." Da sie ihren Eltern und Geschwistern Geld schicken müssen, könnten sie sich eine Ausbildung schlicht nicht leisten.

Man müsse ihnen daher die Möglichkeit geben, Ausbildung und Einnahmen zu verbinden. "Sie brauchen vor allem Menschen, die ihnen diese Welt hier erklären", sagte Bosse-Huber.

Ludger Wößmann, Bildungsökonomie-Professor: "Qualifikation der Flüchtlinge ist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen"

Der Bildungsökonom zerstreute Hoffnungen, dass Syrer und Iraker schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten - das verhindere die oft fehlende Schulbildung: "Da können wir nicht davon ausgehen, dass das reicht." Auch die berufliche Qualifikation der Menschen aus ihren Herkunftsländern sei "meist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen."

Deshalb müsse man Einwanderern klar machen, dass sie erstmal lernen müssen, um später einen qualifizierten Arbeitsplatz zu erhalten. Der deutsche Staat müsse daher in Bildung investieren.

Mit einem Mythos räumte er auf: Dass die Flüchtlinge den Deutschen Jobs wegnähmen.Stattdessen seien andere Einwanderer betroffen. "Sie konkurrieren mit früheren Migranten-Generationen um die Jobs", so Wößmann.

Cem Özdemir, Grünen-Chef: "Wir brauchen schnelle Entscheidungen über Asylverfahren"

Der Grüne wies darauf hin, dass es Flüchtlingen schwer gemacht würde, Deutsch zu lernen. Denn viel zu lange würden sie in Asylverfahren festhängen. "Wir verschwenden wertvolle Zeit, wenn wir erst die Verfahren abwarten, wir verschwenden, neoliberal gesagt, Humankapital."

Die Flüchtlinge müssten viele Monate warten, bevor sie überhaupt die Erlaubnis zu einem Sprachkurs bekommen. "Wir brauchen schnelle Entscheidungen. Wenn wir warten und nur diskutieren, wird nichts passieren."

Selbst wenn sie diese hätten, hieße dies noch lange nicht, dass sie auch an einem Sprachkurs teilnehmen können. Denn es gäbe viel zu wenige Lernangebote. "Ich würde gern alle in die Sprachkurse stecken", sagte er. Mehrmals sprach er sich daher für einen Rechtsanspruch auf Deutschkurse aus.

Emilia Müller, Sozialministerin von Bayern: "Kein Einwanderungsgesetz mit der CSU"

Die CSU-Frau fiel in dieser Sendung nur durch vages Politiker-Sprech auf. Mit Özdemir lieferte sie sich ein Duell über den Plan eines Einwanderungsgesetzes. Der empfahl ihr, ein solches angesichts der Flüchtlingskrise nochmal zu überdenken. Doch Müller lehnte, getreu der Linie der CSU, ab.

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