POLITIK
28/02/2016 08:25 CET | Aktualisiert 28/02/2016 08:59 CET

"Nur drei Flüchtlinge gleichzeitig": So radikal geht ein Schwimmbad mit Syrern um

dpa

Es ist ein Vorgehen, das viele schockiert. Yannick Hagmann engagiert sich als ehrenamtlicher Helfer für Flüchtlinge. Vor kurzem wollte er mit einer Gruppe von Syrern in ein Hallenbad gehen. Aber am Eingang stoppte sie der Bademeister. Es dürften nur "drei Flüchtlinge gleichzeitig" ins Bad, sagte der.

Passiert ist dieser Vorfall in der Stadt Meggen in der Schweiz. Wie die Schweizer Zeitung "Blick" schreibt, ist diese Vorgabe sogar im Protokoll der Gemeinde festgelegt: "Aufgrund der Größe des Beckens und der sehr beschränkten Platzverhältnisse können maximal drei Asylsuchende gleichzeitig den Eintritt lösen und sich im Hallenbad aufhalten", steht dort. Zudem haben laut "Blick" Flüchtlinge nur an zwei Tagen pro Woche Zutritt.

Auch in Deutschland hatten Flüchtlinge nach den Vorfällen von Köln teilweise nur eingeschränkten Zutritt zu Hallenbädern. Aber das, was in der Schweiz derzeit passiert, ist wohl einmalig im deutschsprachigen Raum. Dass die Schweiz immer mehr nach Rechts driftet, ist schon länger zu beobachten. Das scheint sich nun auch im öffentlichen Leben des Landes zu zeigen.

Der Flüchtlingshelfer Hagmann ist empört: "Es kann doch nicht sein, dass man eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ausschließt, nur damit die anderen Platz haben. Das sind Zustände wie im Apartheidsregime." Machen kann er dagegen allerdings wenig. Denn Gemeinden in der Schweiz können derzeit "sensible Zonen" definieren - in diese haben Flüchtlinge keinen Zutritt. Angeblich um ihre Sicherheit nicht zu gefährden.

Bedenken gegen die Hallenbadauflage gibt es in der Schweiz dennoch. So sagte ein Staatsrechtler gegenüber "Blick", dass die Auflagen gegen die Verfassung verstoßen würden, denn sie müssten für alle gelten und nicht nur für Flüchtlinge.

Die "sensiblen Zonen" gibt es seit 2013 in der Schweiz.

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