POLITIK
25/02/2016 17:40 CET

Territorialstreit im Südchinesischen Meer: Die wichtigsten Fakten

US-Kriegsschiffe im Pazifik, östlich der japanischen Inselgruppe Okinawa (Archivbild)
dpa
US-Kriegsschiffe im Pazifik, östlich der japanischen Inselgruppe Okinawa (Archivbild)

Der Konflikt zählt zu den brisantesten weltweit, trotzdem findet er nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit: der Territorialstreit im südchinesischen Meer.

Gleich mehrere Großmächte und mehrere kleine Statten liegen dort im Clinch. Eine Eskalation hätte also immense Folgen.

An diesem Donnerstag Australien angekündigt, unter anderem deswegen sein Militär massiv aufzurüsten und zu modernisieren. In den nächsten 20 Jahren will das Land 195 Milliarden Australischen Dollar (126 Milliarden Euro) ausgeben, etwa für zwölf neue U-Boote, neue Fregatten und Raketen.

Die wichtigsten Fakten und Hintergründe des Konflikts:

Um welches Gebiet geht es?

Das Südchinesische Meer, Teil des Pazifiks, liegt südlich von China zwischen Vietnam, Malaysia und den Philippinen. Es umfasst etwa 3,5 Millionen Quadratmeter.

In diesem Gebiet gibt es viele kleine Inseln und Riffe, darunter die Paracel-Koralleninseln mit Woody Island und die Spratly-Atolle. Die Inseln liegen teils mehr als 800 Kilometer von der chinesischen, aber nur etwa 220 Kilometer von der philippinischen Küste entfernt.

Warum ist die Region so bedeutend?

  • Wichtige Schiffsroute: Ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs verläuft über das südchinesische Meer. Unter anderem fahren dort viele Öltanker.
  • Bodenschätze: Es werden dort große Öl- und Gasvorkommen vermutet.
  • Fischreichtum macht die Region als Fanggrund relevant.

Wer erhebt Ansprüche?

  • China beansprucht 90 Prozent des Gebietes. Außerdem melden die Philippinen, Vietnam, Malaysia und Brunei Ansprüche auf Teile des Meeresgebiets an.
  • Die Philippinen haben 2013 das zwischenstaatliche Schiedsgericht PCA in Den Haag angerufen. China erkennt dessen Zuständigkeit für den Fall nicht an – ist aber eines der 117 Ländern, die das Gericht an sich akzeptieren.
  • Die USA wiederum betonen, dass es sich um internationale Gewässer handele, die es mit seinen Schiffen befahren dürfe. Das US-Interesse bestehe vor allem an einem freien Handelsweg.

Konkret geht es um zwei Inselgruppen.

  • Paracel-Inseln: China hatte dort 1974 Fakten geschaffen: Es besetzte den Archipel, vertrieb die Vietnamesen und hält die etwa 130 Koralleninseln bis heute besetzt. Taiwan und Vietnam erheben nach wie vor Ansprüche auf die Inseln.
  • Spraty-Inseln: Bis 1945 standen die Inseln unter japanischer Besatzung. Seither wird gestritten: Neben China und Vietnam reklamieren vor allem Taiwan, Malaysia und die Philippinen Hoheitsrechte und haben auf den rund 200 unwirtlichen Inseln teils auch Soldaten stationiert.

Wer macht dort was?

Erst Mitte Februar hat China auf der Insel Woody Island Flugabwehrraketen installiert und wohl auch Kampfjets stationiert. Im Oktober hat das Land zwei Leuchttürme mehreren Inseln in Betrieb genommen und plant wohl weitere, angeblich, um den Schiffsverkehr zu sichern. Außerdem bohrt China nahe der vietnamesischen Küste nach Öl, schüttet auf Atollen Land auf und baut dort Landebahnen. Außerdem haben chinesische Kriegsschiffe bereits Wasserwerfer gegen Schiffe anderer Nationen eingesetzt.

Die USA provozierten im Oktober chinesischen Unmut mit der Durchfahrt des Kriegsschiffs „Lassen“ in der 12-Meilen-Zone um die umstrittenen Inseln. Im Dezember flog ein US-Bomber des Typs B52 über eine der Spratly-Inseln, Peking nannte dies eine „ernsthafte militärische Provokation“.

Warum ist das international so ein großes Thema?

China liegt nicht nur im südchinesischen Meer, sondern auch in anderen Regionen wie etwa dem Ostchinesischen Meer mit anderen Nationen im Streit. Dieses Dominanzgebaren alarmiert viele Staaten. Wenn dann noch handfeste wirtschaftliche Interesse wie in diesem Fall vorliegen, wollen sich das viele Staaten nicht bieten lassen. Wie Australien. Dazu kommen noch militärische und freundschaftliche Verbindungen vieler Länder zu den USA.

Der Konflikt kann sich also schnell ausweiten, wenn die Beteiligten nicht aufpassen. Wirtschaftlich, politisch, militärisch.

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