POLITIK
25/02/2016 03:31 CET | Aktualisiert 25/02/2016 07:43 CET

Bei "Maischberger" erklärte der Sachse und Schauspieler Liefers Pegida

DPA
Der Schauspieler Jan Josef Liefers

Sachsen steht auf einmal im Brennpunkt des Interesses. Pegida, der Brandanschlag in Bautzen und die Pöbeleien in Clausnitz schockieren das Land. Gibt es da ein "Integrationsproblem" mit den Sachsen.

Oder trägt Merkels Koalition die Schuld, indem sie für eine Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung gesorgt hat? "Spaltet Merkel das Land"?, wollte Moderatorin Sandra Maischberger von ihren Gästen wissen. Wie zu erwarten, gab es auf die Frage eine kontroverse Auseinandersetzung.

"Ich erkenne meine Sachsen nicht wieder", sagt Jan Josef Liefers, Schauspieler, Sachse und bekennender Merkel-Fan

Liefers betonte, er sei "als Bürger" in die Sendung gekommen. In der Zeit der politischen Wende war er auf Demonstrationen gegen das DDR-Regime mitgelaufen. Jetzt warnte er vor einer Abschottung Deutschlands.

"Die einzige wirklich dichte Grenze, an die ich mich erinnere, ist die Staatsgrenze der DDR." So ein Ding müsse man ja bauen, wenn man die EU gegen Asylsuchende abschirmen wolle.

Er erzählte von einer Reise nach Syrien vor drei Jahren. Dabei habe er erlebt, was mit zwei Mädchen passiert sei, die beim Spielen von einer Bombe des Assad-Regimes getroffen wurden. "Von ihnen waren nur noch Blutflecken an der Wand übrig.“

Über die Ausschreitungen in Clausnitz und Bautzen war er als Sachse bestürzt: "Ich kenne die Sachsen nicht als ein feiges Volk. Auf Flüchtlinge mit Steinen zu schmeißen und sich mit denen anzulegen, das ist feige und widerwärtig. Da erkenne ich meine Sachsen nicht wieder."

Dennoch zeigte er zu einem gewissen Grad Verständnis für die Pegida-Demonstrationen. "Das hat mir nicht gefallen, das ist ganz klar", sagte er.

Doch in den Märschen erkenne er seine Heimatstadt "ein bisschen wieder. Die Wendezeit hat ja ähnlich begonnen". Diese fänden statt, "wenn ein korruptes Regime auf sein Volk pfeift und der Kontakt verloren geht.“

Armin Laschet, CDU-Landeschef NRW: "Merkel hat nicht das Tor geöffnet"

Der Stellvertreter von CDU-Parteichefin Angela Merkel verteidigt ihre Flüchtlingspolitik. So kam es zu einer interessanten Diskussion zwischen Tiedje und Laschet über die Rolle von Merkel.

Hatte sie die Asylbewerber mit ihrer Grenzöffnung vom 4. September "eingeladen"? Laschet sagte, die Vorstellung, dass Merkel das Tor geöffnet hätte, wäre Unsinn. Dann das "Tor war schon offen“. Die Flüchtlinge seien auch so gekommen.

Peter Ramsauer, CSU: "Grenzzäune sind Notwehr"

Nach den kümmerlichen Ergebnissen des EU-Gipfels glaubt der CSU-Mann nicht mehr an Merkels "europäische Lösung". Er lobte daher die Grenzzäune, die gerade in Mazedonien errichtet werden: "Das ist eine Art Notwehr."

Einen heiklen Satz sagte er, als er afghanische Asylsuchende als Fahnenflüchtige im Kampf gegen die Taliban bezeichnete. "Ich halte es für falsch, dass wir junge afghanische Deserteure bei uns aufnehmen und dafür unsere jungen Soldaten nach Afghanistan schicken“, sagt Ramsauer.

Natascha Kohnen, SPD-Generalsekretärin in Bayern: "CSU soll nicht rumplärren"

Mit dem Video einer Wutrede im Bayerischen Landtag im Februar hatte die SPD-Politikerin einen Internet-Hit gelandet. Die Landtagsabgeordnete hatte die CSU darin für Ihre Haltung in der Flüchtlingskrise attackiert.

Die Partei ginge seit Monaten "dem ganzen Land auf die Nerven mit ihrem populistischen Rumgeplärre". Statt über Vorschläge aus Berlin zu lachen, sollte man mit dem Koalitionspartner zusammenarbeiten. Tiedje ließ sich davon nicht beeinddrucken. Mit einem trockenen "Helau!" kommentierte er einen Einspieler der Wutrede.

Hans-Hermann Tiedje, Journalist und Politikberater: "Nach den Landtagswahlen bleibt kein Stein auf dem anderen"

Der ehemalige Bild-Chefredakteur ist der Ansicht, dass Merkel komplett überfordert sei und die Realitäten ausblende. Tiedje wies auf die kommenden Landtagswahlen im März hin. Es werde "kein Stein auf dem anderen bleiben", vermutet er.

Er wollte sich gleich zu Beginn der Sendung nicht den Mund verbieten lassen. Tiedje nannte die Flüchtlingskrise einen "Notstand". SPD-Frau Kohnen klagte daraufhin, solche Begriffe würden die Stimmung aufheizen. Das wäre eine "Enthemmung der politischen Sprache“.

Tiedje protestiert: "Wir brauchen hier keine Sprachpolizei!"

René Jahn, Ex-Pegida-Vizechef: "Medien tragen Schuld an Pegida"

Jahn war einst Vizechef des Pegida-Bündnisses. Er trat aber aus, um sich von rassistischen Äußerungen des Chefs Lutz Bachmann zu distanzieren.

"Gegen die Islamisierung des Abendlandes" sei ursprünglich keine Pegida-Parole, sondern habe "schon 1950 auf einem Wahlplakat der CDU gestanden", sagte er an die Adresse des CDU-Mannes. Er behauptet, die "Hauptschuld" für den Zulauf zu Pegida hätten die Medien. Diese Debatte würgte Maischberger aber schnell ab: "Das ist jetzt gar nicht unser Thema.“


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