POLITIK
25/02/2016 10:24 CET | Aktualisiert 25/02/2016 10:26 CET

Flüchtlingskrise: Kommunen weniger überfordert als angenommen

Wie überfordert sind die deutschen Kommunen mit der steigenden Zahl an Flüchtlingen wirklich?
Friso Gentsch/dpa
Wie überfordert sind die deutschen Kommunen mit der steigenden Zahl an Flüchtlingen wirklich?

Die Flüchtlingskrise ist anscheinend allgegenwärtig. Die Politik spricht darüber, Anschläge gegen Unterkünfte schocken das Land. Auf kommunaler Ebene unterdessen ist man von der steigenden Flüchtlingszahl weniger überfordert als Außenstehenden denken mögen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage unter Deutschlands Kommunen hervor, die das ARD-Magazin "Monitor" durchgeführt hat.

373 der 700 größten Städte und Gemeinden Deutschlands hatten sich daran in der vergangenen Woche beteiligt. Das Ergebnis:

  • Sechs Prozent der Städte und Gemeinden halten sich bereits jetzt für überfordert.
  • 50 Prozent der Kommunen, antwortete, dass sie - trotz Kapazitätsproblemen - mit der aktuellen Zahl der Flüchtlinge klar komme.
  • 16 Prozent könnten laut eigener Einschätzung sogar noch mehr Flüchtlinge aufnehmen.
  • 28 Prozent wollten sich zu der Frage nicht äußern.

Pro-Kopf-Verteilung: Im Schnitt sind es 14,5 Flüchtlinge pro 1000 Bewohner

Die Umfrage gibt auch umfassend Aufschluss über die aktuelle Pro-Kopf-Verteilung der Flüchtlinge in deutschen Kommunen zum Jahresanfang 2016.

Der Durchschnitt liegt demnach bei 14,5 Flüchtlingen je Kommune pro tausend Einwohner. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede: Während einzelne Kommunen nur einen Flüchtling pro 1000 Einwohner aufgenommen haben, liegt der Spitzenwert im bayerischen Lichtenfels bei 78 Flüchtlingen pro 1000 Einwohnern.

Besonders viele Kommunen Bayerns und Nordrhein-Westfalens finden sich hier in der Spitzengruppe wieder, während sich überproportional viele Kommunen in Baden-Württemberg am Ende der Tabelle wiederfinden. Bei diesen Berechnungen wurden von den Bundesländern betriebene Einrichtungen nicht mit eingerechnet.

Städtetag sieht sich durch die Umfrage bestätigt

Auch bei der Unterbringungsart gibt es große Unterschiede. 43 Prozent der Kommunen setzen demnach auf Gemeinschaftsunterkünfte, während 40 Prozent bei der Unterbringung von Flüchtlingen einzelne Wohnungen bevorzugen.

Der Deutsche Städtetag sieht sich durch die "Monitor"-Umfrage in seiner Einschätzung bestätigt, dass die deutschen Kommunen zwar an der Grenze ihrer Belastbarkeit agierten, aber nicht überfordert seien. Die Kommunen "bewältigen die Situation gegenwärtig dank großer Anstrengungen", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber des ARD-Magazins. Man brauche dafür aber auch die nötige Unterstützung von Bund und Ländern.

Das ARD-Magazin "Monitor" wird am Donnerstag ab 22.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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