POLITIK
24/02/2016 23:59 CET | Aktualisiert 25/02/2016 05:14 CET

Eklat bei Rededuell in Stuttgart: "AfD betreibt Demagogie übler Sorte"

DPA
Winfried Kretschmann griff die AfD hat an

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg kommen näher. Und je weniger Zeit bis zum Wahlsonntag ist, desto hitziger werden die Diskussionen zwischen den Vertretern der Parteien.

Beim Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten bei einer Podiumsdiskussion in Stuttgart ging es hoch her. Die von den "Stuttgarter Nachrichten" organisierte Debatte war das landesweit erste Podiumsgespräch aller sechs Spitzenkandidaten von CDU, Grünen, FDP, SPD, der Linken und der AfD. Besonders die rechtspopulistische Partei musste einstecken.

Winfried Kretschmann warf der AfD eine "Sprache der Extremisten" vor. Der grüne Ministerpräsident las aus Landtagswahlprogramm der AfD in Baden-Württemberg vor. Was er dort sah, erzürnte ihn scheinbar so sehr, dass er sich wieder und wieder verhaspelte. Überraschend außerdem: Immer wieder kam aus dem Publikum Beifall für Positionen der AfD - und Kretschmann wurde teilweise ausgebuht und ausgelacht.

Das Programm sprach von "Massenpsychologie und Massensuggestion". Mit der wollten die etablierten Parteien das Volk "täuschen". Dabei würde sie von einer "weitgehend gleichgeschalteten Medienlandschaft" unterstütz. Das habe zum Ziel "Hunderte Millionen Armutsflüchtlinge" nach Deutschland zu holen. "Das ist Demagogie ganz übler Sorte", sagte der Regierungschef am Mittwoch in der Liederhalle in Stuttgart. Leute mit solchen Ansichten hätten seit jeher "Unglück über die Völker" gebracht.

AfD-Kandidat Jörg Meuthen wies die Vorwürfe zurück. "Was wir uns wünschen, wäre Fairness im Umgang", sagte er. Aus dem Publikum gab es Beifall für beide Seiten. Der erstmalige Einzug der AfD in den Südwest-Landtag gilt als höchstwahrscheinlich. Ein größeres Polizeiaufgebot schützte die konfrontative Diskussion mit dem Titel "Eine Landtagswahl in politisch turbulenten Zeiten".

meuthen afd

AfD-Kandidat Jörg Meuthen (Mitte) musste beim Duell viel einstecken

Alle gegen die AfD. CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf warf der Partei "rechtsextreme Positionen" vor. Niemand werde mit dieser Partei zusammenarbeiten. "Die haben nichts als Angstmache auf der Pfanne", sagte Wolf. Als rechtsradikal und menschenverachtend bezeichnete auch SPD-Kandidat Nils Schmid die AfD. "Anständige Leute wählen keine Rassisten", sagte Schmid, der auch Wirtschafts- und Finanzminister ist. Er warb für eine Politik des "sozialen Zusammenhalts".

Kretschmann bekräftigte seine Unterstützung für die Bundeskanzlerin. Der Ministerpräsident sagte, ihn treibe die Sorge um Europa um. Niemand außer Merkel sei derzeit in der Lage, den Kontinent zusammenzuhalten. Daher bete er manchmal für die Kanzlerin, sagte der Katholik. Und bekam tosenden Applaus tosendem Applaus. "In Krisen gehe ich auf Konsens", betonte Kretschmann vor einigen Hundert Zuschauern.

Kritisiert wurde er dafür ausgerechnet vom CDU-Kandidaten. Wolf warf dem Grünen-Politiker vor, als "Kanzlerin-Versteher" punkten zu wollen, in Wahrheit aber zu wenig für die Begrenzung der Flüchtlingszahlen und für die Rückführung abgelehnter Asylbewerber zu tun.

Umfragen lassen eine schwierige Regierungsbildung erwarten. Weder die grün-rote Koalition noch die Opposition aus CDU und FDP haben eine Mehrheit. Als sicher gilt, dass die AfD in den Landtag einziehen wird. Auch die Linke mit dem Kandidaten und Bundesvorsitzenden Bernd Riexinger hofft auf einen Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.

Auch auf HuffPost:

Politik: Schäuble schießt gegen Merkels "Wir-schaffen-das"-Mantra