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24/02/2016 06:12 CET | Aktualisiert 24/02/2016 06:14 CET

"Spotlight": Oscar-Favorit über Kindesmissbrauch in der Kirche

Im Kinofilm "Spotlight" dreht sich alles um die Enthüllungen eines Reporterteams aus Boston.
Kerry Hayes/Open Road Films/Paramount/dpa
Im Kinofilm "Spotlight" dreht sich alles um die Enthüllungen eines Reporterteams aus Boston.

Mark Ruffalo, Michael Keaton und Rachel McAdams schlüpfen in die Rollen von investigativen Journalisten: Dieser Thriller beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt von einem enormen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Neuenglands.

Mit sechs Nominierungen gehört "Spotlight" mit zu den Favoriten bei den diesjährigen Oscars, die am Sonntag verliehen werden. Nun kommt das packende Drama rund um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche von Boston und die Enthüllungen eines Reporterteams der Zeitung "The Boston Globe" auch in die deutschen Kinos.

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"Spotlight" läuft im Kino an

Im Jahr 2003 erhielt das renommierte, 1872 gegründete Traditions-Blatt "The Boston Globe" den Pulitzer-Preis für eine Reihe von Artikeln, in denen ein Missbrauchsskandal unerhörten Ausmaßes innerhalb der katholischen Kirche Bostons aufgedeckt wurde.

Atemlos und sehr stringent erzählt uns Regisseur und Drehbuchautor Tom McCarthy ("Station Agent") in "Spotlight" nun, wie es zu den Enthüllungen kommen konnte.

Im Mittelpunkt steht dabei das Investigativ-Team der Zeitung, angeführt von Walter "Robby" Robinson (Michael Keaton). Angestoßen aber werden die Ermittlungen vor allem durch den neuen Chefredakteur Marty Baron, dem Liev Schreiber im Film eine leise und zugleich geheimnisvolle Präsenz verleiht.

Schnell jedoch muss Baron, der neu ist in dieser stolzen Stadt, erfahren, dass man sich in Boston, Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts, nicht mal eben so mit der übermächtigen Institution der katholischen Kirche anlegt. Überall stößt sein eifriges Reporter-Team auf Widerstände und verschlossene Münder.

Tolles Ensemble in "Spotlight" - mit einem herausragenden Nebendarsteller

Es ist gar nicht leicht, aus einem ohnedies schon tollen Ensemble (darunter auch "Mad Men" John Slattery) noch herauszuragen. Mark Ruffalo aber gelingt dies in "Spotlight" auf sehr beeindruckende Weise. Man kennt den US-Akteur (Jahrgang 1967) aus Filmen wie "Zodiac" oder "The Kids Are All Right". Ruffalo ist toll als grüner Comic-Riese Hulk in den erfolgreichen "Avengers"-Filmen. Noch bekannter aber könnte er nun durch seine Rolle als Reporter werden in "Spotlight".

Ruffalo geht ganz in seiner Figur auf, dem in einem abgewrackten Appartement hausenden Michael Rezendes. Dem alle Äußerlichkeiten gleich zu sein scheinen, der nur für seinen Beruf, den Journalismus, lebt.

Mit stets angespanntem Körper, die Schultern hochgezogen, wirkt Rezendes, als sei er immer auf dem Sprung. Auf dem Sprung zum nächsten, vom Reporter zu lösenden Geheimnis. Ruffalos Figur ist das energetische Zentrum des "Spotlight" -Rechercheteams; zu Recht ist Ruffalo nun für den Nebenrollen-Oscar nominiert.

Ein klassischer Thriller, der einen in den Bann zieht

"Spotlight" ist ein eher konventionell inszenierter Thriller, der stark an einen der legendärsten Journalisten-Filme überhaupt erinnert, der vor 40 Jahren in die Kinos kam: "Die Unbestechlichen" mit Robert Redford und Dustin Hoffman zur Watergate-Affäre.

Und doch fesselt einen "Spotlight" von der ersten Minute an und entwickelt einen unglaublichen Sog. Immer fiebert man mit, was nicht zuletzt an Darstellern wie Ruffalo liegt; bisweilen fühlt man sich gar ein wenig, als wäre man selbst Teil des Recherche-Teams des "Boston Globe".

"Spotlight" ist spannend wie ein Krimi, zudem drückt der Film erfreulicherweise kaum auf die Tränendrüse - bei einem emotionsgeladenen Thema wie dem des Kindesmissbrauchs, zumal in einer amerikanischen Produktion, war das keineswegs zu erwarten. In Zeiten der voranschreitenden Digitalisierung funktioniert das irgendwie altmodisch anmutende Drama zudem - und das ist ein wirklich schöner Nebeneffekt - auch als Plädoyer und Werbung für die Kraft des gedruckten Wortes.

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