POLITIK
24/02/2016 13:16 CET | Aktualisiert 24/02/2016 14:55 CET

„Gefährliche Mischung": Sicherheitsunternehmer warnt vor Chaos in Flüchtlingsheimen

dpa
„Gefährliche Mischung": Sicherheitsunternehmer warnt vor Chaos in Flüchtlingsheimen

In einem Kölner Flüchtlingsheim sollen in der vergangenen Woche Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes Frauen sexuell missbraucht haben. Der Vorfall reiht sich in eine lange Liste von Fällen ein, in denen Sicherheitspersonal durch verbale und körperliche Gewalt gegenüber Asylbewerbern auffällig geworden ist.

Till Steinberger, selbst seit 2004 im Sicherheitsgeschäft, spricht im Deutschlandfunk von einer „Goldgräberstimmung“ in der Branche – und warnt vor den Folgen einer nachlässigen Politik.

Steinberger kennt sich aus im Sicherheitsgeschäft. Seine Firma „Sicherheitsdienst Steinberger“ betreut Flüchtlingsheime im Rhein-Main-Gebiet und Nordrhein-Westfalen. "Dieser Job wird meistens ausgeübt von Personen, die nicht viele Optionen haben oder schlechte Motive haben, und das ist eine gefährliche Mischung", warnt er.

Die Kommunen ignorierten aus Kostengründen zunehmend die Entschlüsse der Landesregierung. Qualitätskontrolle bei der Auftragsvergabe sei in vielen Fällen zweitrangig. So entstehe ein „Einfallstor“ für dubiose Personen.

10.000 Sicherheitsdienstmitarbeiter sind deutschlandweit für die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften zuständig. "Private Sicherheitsdienste schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden", sagt auch Michael Böhl, stellvertretender Bundesvorsitzender vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) laut der "Badischen Zeitung".

Denn der Markt ist lukrativ: 9,70 Euro beträgt der tarifliche Stundenlohn in der Branche in NRW. Gezahlt wird den Sicherheitsleuten häufig weniger. Steinberger spricht im Deutschlandfunk von „unglaublichen Gewinnmargen“ für die Unternehmer.

Ausbildung und Kontrolle des Personals mangelhaft

Silke Wollmann vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft kritisiert im Deutschlandfunk die oft unzulängliche Ausbildung des Personals. Nach 40 Stunden Anwesenheit in entsprechenden Kursen der Industrie- und Handelskammer sei diese abgeschlossen. Wollmann hält zusätzliches Deeskalationstraining und Schulungen zur interkulturellen Kompetenz für unabdingbar.

Doch die Kommunen stehen unter Handlungszwang, finanzielle und zeitliche Kapazitäten sind gering. Qualitätskontrollen finden daher meist nur bei Brancheneintritt neuer Unternehmen statt. Regelmäßige Kontrollen versprächen eine Lösung, sind jedoch finanziell schwierig zu stemmen.

Ein erster Schritt zur Besserung: Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, nach dem Sicherheitspersonal in Zukunft genauer überprüft und besser ausgebildet werden soll. Aus dem Büro der Bundestagsabgeordneten Kristina Schröder (CDU) hieß es dazu in Anbetracht der öffentlich gewordenen Übergriffe auf Flüchtlinge: „Unsere große Sorge ist, dass sich so etwas wiederholt, wenn wir nicht höhere Mindestanforderungen an das Gewerbe definieren und so für bessere Qualität sorgen.“

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