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23/02/2016 12:32 CET | Aktualisiert 23/02/2016 14:03 CET

Chronische Schmerzen sind ein Volksleiden

paolomartinezphotography via Getty Images
Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen

Stechen im Rücken, Hämmern im Kopf - und das Leiden will kein Ende nehmen: Rund 3,25 Millionen Patienten in Deutschland haben chronische Schmerzen. Das geht aus dem Arztreport 2016 der Krankenkasse Barmer GEK nun hervor, der auf Daten aus dem Jahr 2014 basiert.

Kontinuierlich ist demnach die Zahl der Schmerzpatienten in den vergangenen Jahren gestiegen: Waren 2005 noch 1,59 Prozent der Bevölkerung betroffen, waren es zuletzt mehr als vier Prozent.

Die Dunkelziffer von Betroffenen ohne einschlägige Diagnose gilt als hoch. Die Zahl der ambulant behandelten Patienten mit chronischen Schmerzen ist laut Report deutlich gestiegen - auf 655.000 im Jahr 2014.

Welche Personen sind besonders betroffen?

Insgesamt sind chronische Schmerzen laut Statistik bei Frauen häufiger. Bei den 60- bis 64-Jährigen erhielten 4,5 Prozent der Männer und 6,6 Prozent der Frauen die Diagnose "Schmerz". Bei den über 90-Jährigen sind es fast zehn Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen. In jüngeren Altersgruppen ist die Diagnose weit seltener.

Und auch zwischen den Bundesländern gab es Unterschiede: Die meisten Diagnosen wurden in Brandenburg erstellt und zwar an 5,8 Prozent der Bevölkerung. Gefolgt von Berlin mit 5,7 und Thüringen mit 4,8 Prozent. Am seltensten wurden chronische Schmerzen in Bremen (2,9 Prozent) diagnostiziert.

Welche Ursachen hat der Schmerz?

Die Diagnose "Schmerz", bei der die Ärzte eine körperliche Ursache annehmen, macht mit rund vier Fünftel den größten Anteil aus. Hier gab es seit 2005 einen Anstieg um 72 Prozent. Bei der Diagnose "Anhaltende Schmerzstörung", die eher auf die Psyche zurückgeführten Schmerz umfasst, war der Anstieg bei kleineren Fallzahlen noch höher.

Wie lange leiden Betroffene bereits?

Im Durchschnitt dauert die Leidensgeschichte eines Schmerzpatienten sieben Jahre. Nach Angaben der Bundesärztekammer kämpft jeder Fünfte sogar 20 Jahre und länger gegen die Beschwerden.

Welche Begleiterkrankungen sind häufig?

Chronische Leiden am Muskel-Skelett-System - vor allem der Wirbelsäule - kommen besonders oft bei Schmerzpatienten vor, ebenso wie bestimmte Krebserkrankungen. Über die Zusammenhänge gibt die Studie keinen Aufschluss. Mögliche Gründe reichen von einer Zunahme von Einflüssen wie schmerzauslösenden Körperhaltungen oder von Stress bis hin zu mehr Diagnosen wegen steigender Aufmerksamkeit der Ärzte.

Wie kommen Patienten an passende Therapien?

Laut Deutscher Schmerzliga und weiterer Fachorganisationen oft über Umwege - es fehle an einer Vernetzung innerhalb der medizinischen Fachgebieten. Erste Anlaufstelle sei oft die Apotheke. Patienten wüsten oft nicht einmal, dass es Ärzte mit einer speziellen schmerzmedizinischen Ausbildung gebe.

Daher fordert Barmer-GEK-Chef Christoph Straub: Der Hausarzt müsse Lotse sein, so dass Betroffene bereits früh von verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen betreut werden könnten, so dass Schmerzen möglichst gar nicht erst chronisch werden. Es gibt zwar Verbesserungen in der Schmerztherapie, aber diese reichen nicht aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin meint, für eine flächendeckende Versorgung seien mindestens 10.000 Schmerzmediziner nötig. Derzeit gebe es nur 400 Ärzte, die in Vollzeit Schmerzpatienten versorgen.

Mit 8,5 Behandlungsfällen pro Kopf hat es laut dem Report im Jahr 2014 einen neuen Rekordstand bei den Arztbesuchen gegeben. Im Schnitt zahlten die Krankenkassen mehr als 523 Euro pro Versichertem für ambulante Arztbehandlungen, im Jahr zuvor waren es laut dem Report noch 505 Euro.

Was fordern Ärzte und Krankenkassen?

Die Mediziner setzten sich auf einem Ärztetag bereits vor zwei Jahren für mehr und bessere Schmerztherapie ein - unter anderem durch Teams verschiedener Fachrichtungen.

Die Akutschmerztherapie in den Kliniken müsse gestärkt werden. Straub mahnt durchgreifende Verbesserungen an: "Angesichts von Millionen Betroffenen muss die Bekämpfung des chronischen Schmerzes zu einem nationalen Gesundheitsziel werden."

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