LIFESTYLE
22/02/2016 09:11 CET | Aktualisiert 22/02/2016 09:35 CET

Junge Frau rechnete mit Ungerechtigkeit ab - jetzt wurde sie gefeuert

Talia Jane/ Facebook
Sie verlor ihren Job - weil sie diesen Brief an den Geschäftsführer schrieb

Die 25-jährige Talia Jane zog nach ihrem Studium nach San Francisco, um für Eat24, eine Tochterfirma von Yelp, zu arbeiten. Ursprünglich hatte sie sich auf eine Stelle im Medienteam beworben, wurde aber im Kundenservice angestellt. Der Konzern sagte ihr, diese Abteilung sei für Berufseinsteiger am besten.

Das Gehalt war allerdings nicht so gut, wie sich Talia Jane das gewünscht hätte. Denn San Francisco ist ein teures Pflaster und die 25-Jährige verdiente gerade einmal 12,25 Dollar in der Stunde.

Da die Mieten im Stadtzentrum zu hoch waren, zog sie an den Stadtrand und musste täglich fast 50 Kilometer in die Konzernzentrale pendeln. 200 Dollar ihres Gehalts gingen direkt in die Ausgaben für die öffentlichen Transportmittel.

Sie wusste, dass sie sich das Leben in San Francisco nicht lange leisten könnte, wenn sie nicht eine Gehaltserhöhung bekäme – doch Yelp machte ihr einen Strich durch die Rechnung und teilte ihr mit, dass sie im ersten Jahr auf keinen Fall mit mehr Gehalt rechnen könne.

Sie reduzierte ihre Ausgaben für Lebensmittel so weit, dass sie hungrig ins Bett ging und versuchte so viele Nachtschichten wie möglich zu machen - bis zu 40 Stunden pro Woche.

In ihrer Verzweiflung schrieb sie den CEO von Yelp, Jeremy Stoppelman, auf Twitter an.

„Bitte lass mich genug Gehalt zum Leben verdienen. Ich verspreche, all deine Vlogs zu schauen. Bitte lass mich nur meine Miete bezahlen können“

Sie schrieb mehrere Tweets an den CEO: „Ich habe keinen Abschluss in Wirtschaft oder Finanzen und ich habe diesen Job nicht angenommen, um reich zu werden. Ich kann aber nicht einmal meine Heizung anmachen und mir ist einfach kalt.“

Und sie gab nicht auf: „Feuere mich oder ignorier mich. Ich werde trotzdem weiterschreiben.“

Dann schrieb sie einen offenen Brief an den CEO und veröffentlichte ihn auf der Plattform Medium. Der Post verbreitete sich schnell via Twitter.

In dem Brief schrieb sie unter anderem:

„Ihre Angestellte, die bei einer Lieferdienst-App für Essen arbeitet, für die Sie 300 Millionen Dollar haben springen lassen, kann es sich nicht leisten, Essen zu kaufen. Das ist schon ein bisschen ironisch, oder?“

„Wussten Sie, dass der durchschnittliche Amerikaner keine Pennys vom Boden aufheben muss. Er verdient genug Geld, damit die Zeit, die er darauf verschwenden würde, den Penny aufzuheben, mehr kosten würde als der Penny selbst. Nunja, ich hebe jeden Penny auf, den ich sehe. Das erklärt auch, warum mir meine Zeit nicht zu schade ist, Ihnen diesen Brief zu schreiben. Auch wenn Ihnen Ihre Zeit wahrscheinlich zu schade ist, ihn zu lesen.“

Kurz darauf folgte ein Update:

„Um 17:43 Uhr wurde ich von der Firma entlassen. Das war nicht meine Absicht (auch wenn es wohl nicht vollkommen überraschend kam?), aber ich nehme jede Hilfe an, bis ich eine neue Anstellung finde.“

Talia Jane war gekündigt worden. Tatsächlich erreichte der Brief auch Jeremy Stoppelman, den CEO von Yelp. Und er nahm Stellung zu ihren Anschuldigungen und ihrer Kündigung.

„Gestern habe ich Talias Artikel auf Medium gelesen und möchte darauf hinweisen, dass es dabei um die hohen Lebenskosten in San Francisco geht“.

„Mir ist dieses Problem bekannt und ich versuche gemeinsam mit der San Francisco Bay Area Renters Federation darauf hinzuweisen, dass die Mietkosten zu hoch sind.“

„Ich habe nichts damit zu tun, das Talia entlassen wurde und es war sicherlich nicht, weil sie auf Medium einen offenen Brief an mich geschrieben hat“.


„Es gibt zwei Seiten zu jeder HR-Geschichte. Also, Twitter-Armee, bitte legt eure Mistgabeln nieder. Die Wahrheit über Lebenskosten in San Francisco ist...“

„...Einstiegsjobs sollten dahin verlegt werden, wo die Lebenskosten geringer sind. Ich habe bereits bekannt gegeben, dass der Eat24-Kundenservice in Arizona ausgebaut wird.“


Jane sagte gegenüber BuzzFeed News, dass Yelp nicht ehrlich war, aus welchem Grund sie tatsächlich entlassen wurde: „Jemanden zu feuern, während dessen Post über schlechte Bezahlung zum viralen Hit wird, ist, als würde man ein Streichholz in einem trockenen Wald anzünden. Da explodiert nunmal alles.“

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