POLITIK
22/02/2016 03:17 CET | Aktualisiert 22/02/2016 03:26 CET

Experte warnt: So könnte die Syrien-Krise zum Weltkrieg werden

Russische  MIG-29 Kampfflugzeuge während Flughshow bei Moskau
AP
Russische MIG-29 Kampfflugzeuge während Flughshow bei Moskau

Noch drehen sich die politischen Verhandlungen um Frieden in Syrien. Doch mehr und mehr setzt sich bei Diplomaten im Westen, in Russland und im Nahen Osten die Erkenntnis durch, dass sie die falschen Prioritäten setzen.

Frieden in Syrien ist unerreichbar. Stattdessen wird es immer wichtiger, zu verhindern, dass dieser Bürgerkrieg sich nicht zu einem internationalen Krieg ausweitet - im schlimmsten Fall sogar zu einem zwischen Russland und der Nato.

Experten warnen vor dieser Gefahr. Er halte einen dritten Weltkrieg zwar für "sehr unwahrscheinlich", sagt Michael O’Hanlon, Verteidigungsexperte beim Washingtoner Thinktank Brookings der "Welt am Sonntag". Doch auszuschließen sei er nicht.

Ihm bereiten zwei Szenarien Sorgen. Das erste: Ein Konflikt in Syrien zwischen der Türkei und Russland, in die sich die Nato gezwungen sehe einzugreifen. Mit dem Abschuss eines russischen Kampfjets kam man diesem Szenario erschreckend nahe.

Das zweite Horror-Szenario: "US-Kräfte schießen ein russisches Flugzeug ab – oder töten aus Versehen eine Gruppe von russischen Soldaten, worauf Russland seine Attacken nicht nur in der Ukraine eskalieren lässt, sondern vielleicht sogar in Lettland oder Estland einen Vergeltungsschlag ausführt“. Auch Russland sieht die Gefahr eines internationalen Krieges.

Der russische Premierminister sprach auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine Warnung aus. Dmitri Medwedew sagte: "Brauchen wir einen weiteren dritten Weltschock, um zu verstehen, dass wir heute die Zusammenarbeit brauchen und nicht die Konfrontation?" Er verwies auf die Gefahr einer nuklearen Apokalypse in den 60er Jahren. Damals hätten die USA und die Sowjetunion aber verstanden, dass der Kampf zwischen Staaten und Systemen keine Menschenleben Wert sei.

Das Streichholz am Pulverfass könnte die Türkei sein. Das Land ist ein Nato-Mitglied. Bei einem Konflikt zwischen dem Land und Russland müsste das Verteidigungsbündnis diesen also als Krieg gegen alle Mitgliedstaaten der Organisation ansehen.

Auch der französische Präsident sieht diese Gefahr. François Hollande hat vor dem Risiko eines Krieges zwischen Russland und der Türkei gewarnt. "Die Türkei ist in Syrien involviert", sagte Hollande am Freitagabend in einem Interview des Radiosenders France Inter.

"Da gibt es ein Kriegsrisiko", sagte er. "Man muss alles tun, um diese Eskalation zu verhindern." Hollande fügte in dem Gespräch am Rande des EU-Gipfels in Brüssel hinzu, dass ein solcher Konflikt kein direkter Krieg wäre, "aber es könnte ein indirekter Krieg sein".

Die Nato hat wenig Lust, sich von der Türkei in einen Krieg mit Russland ziehen zu lassen. "Die Nato darf sich durch die jüngsten Spannungen zwischen Russland und der Türkei nicht in eine militärische Eskalation mit Russland hineinziehen lassen", sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn dem "Spiegel". Mit dieser Position dürfte er stellvertretend für alle anderen Nato-Länder stehen. Aber wird sich die Nato aus einem Konflikt zwischen Russland und Türkei wirklich raushalten können?

Die Macht des russischen Präsidenten basiert nur noch auf seinen außenpolitischen Erfolgen - wie zum Beispiel der Anschluss der Krim oder der Krieg in der Ukraine. Er selbst hat sich zu dem Anführer inszeniert, der das wirtschaftlich desolate Land wieder zurück zu einem Großmachtstatus führt.

Putin kann sich keine außenpolitische Demütigung leisten. Auf eine Provokation durch die Türkei oder die Nato wird er aggressiv reagieren, um seine innenpolitisches Ansehen wieder herzustellen - notfalls auch in einer ganz anderen Gegend, als dem Nahen Osten.

Experten sind sich weitgehend einig, wo dies sein wird: im Baltikum. Die Rand Corporation hat bereits festgestellt, dass die Nato-Truppen dort nach nur drei Tagen von russischen Panzern überwältigt wären.

Mit Material der AP und der DPA

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