POLITIK
23/02/2016 00:04 CET | Aktualisiert 23/02/2016 01:17 CET

Kölner Silvesternacht: Polizei jagt Whistleblower in den eigenen Reihen

DPA
Zwei Bundespolizisten vor dem Hauptbahnhof in Köln

Die Kölner Polizei sucht ihre undichte Stelle. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wird nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in mehreren Fällen wegen einer möglichen Verletzung des Dienstgeheimnisses ermitteln. Polizeibeamte sollen Einsatzprotokolle und Fotografien von Beweismitteln weiter gegeben haben.

Nach den Übergriffen wurde der Polizei vorgeworfen, sie habe die Vorfälle vertuschen wollen. Erst die Veröffentlichungen der internen Berichte zeigten die Nationalität der Täter und die Überforderung der Einsatzkräfte. Sie setzten den Kölner Polizeipräsidenten Albers stark unter Druck.

Jetzt werden die Whistleblower gejagt. "Es wird derzeit eine Materialsammlung erstellt, die Polizei recherchiert intern", sagte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft. Die Behörden wollten prüfen, wie interne Berichte an die Öffentlichkeit gelangten.

Nach den Übergriffen wurden mehrere interne Dokumente veröffentlicht. Darunter ist auch der "Einsatzerfahrungsbericht" eines Bundespolizisten, der in der "Bild"-Zeitung auszugsweise abgedruckt wurde.

Dieser Bericht widersprach der offiziellen Darstellung der Polizei. Der Polizist soll eine Hundertschaft bei einem Unterstützungseinsatz am Kölner Hauptbahnhof angeführt haben. Der Beamte berichtet, dass ihm schon bei der Räumung des Platzes über sexuelle Übergriffe berichtet wurde. Zuvor hatte die Polizei berichtet, dass sie erst durch Anzeigen von den Sexualdelikten erfahren habe.

Der sprach auch von Flüchtlingen unter den Verdächtigen. "Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderten von sex. Übergriffen durch mehrere männliche Migranten/ -gruppen“, schrieb der Beamte. Einer der Kontrollierten hätte geäußert. "Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen."

An Silvester war es trotz Anwesenheit der Polizei zu massenhaften Straftaten gekommen. Hunderte Frauen wurden von Männern vor allem nordafrikanischer oder arabischer Herkunft umzingelt, sexuell bedrängt, bestohlen. Rund 1100 Anzeigen sind bisher eingegangen.

Offizielle Zahlen zeigen aber, dass kaum Flüchtlinge unter den Tätern waren. Von zunächst 58 Verdächtigen im Zusammenhang mit den Kölner Silvester-Übergriffen waren laut Kölns Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer nur drei Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr in Deutschland angekommen sind – zwei Syrer und ein Iraker. Die meisten waren Marokkaner und Algerier, die schon länger in Deutschland leben.

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