LIFE
22/02/2016 11:25 CET

Darum solltet ihr Raumsprays und Deodorants aus eurem Haus verbannen

Woman using air freshener, France
BSIP/UIG via Getty Images
Woman using air freshener, France

Fabrikrauch, Feinstaub und Abgase in der Luft - ein weltweites Problem, das man schon seit Jahrzehnten versucht einzudämmen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich etwa sieben Millionen Menschen weltweit an den Folgen der Luftverschmutzung.

Denn vor allem Kinder können schnell an einer Atemwegserkrankungen wie Asthma und chronischem Husten leiden, wenn sie der verschmutzen Luft zu lange ungeschützt ausgesetzt sind. Eine kanadische Firma hat Ende letzten Jahres sogar eine neue Erfindung auf den Markt gebracht, die "Qualitäts-Luft" aus der Dose beinhaltet.

Doch nicht nur in der Nähe von überbevölkerten und fabrikreichen Städten findet man die Gefahren aus der Luft. Eine neue Studie aus Großbritannien hat jetzt herausgefunden, dass auch in unseren eigenen vier Wänden eine Luftverschmutzung stattfindet, die lebensbedrohlich sein kann.

Forscher des Royal College of Physicians (RCP) und des Royal College of Pediatrics and Child Health (RCPCH) veröffentlichen diese Woche ihren Bericht über Luftverschmutzung. "Every Breath We Take: the lifelong impact of air pollution" ("Jeden Atemzug, den wir machen: Der lebenslange Einfluss von Luftverschmutzung) heißt der Bericht über die Studie zu potentiellen Luftverschmutzern in unserer Wohnung.

In Großbritannien würden mindestens 40 000 pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung sterben, heißt es in dem Bericht. Über Europa hinweg kommen noch mehrerer Tausend Tote dazu. Doch die Forscher wollen nicht nur auf die Gefahren in der Luft allgemein hinweisen, sondern zeigen wie hoch das Gefahrenpotential aus unserer nächsten Nähe ist.

Wie die britische Tageszeitung "The Telegraph" berichtet sollen "jährlich etwa 99 000 Todesursachen in Europa auf innenräumliche Luftverschmutzung zurück zu führen sein".

So haben defekte Boiler und Heizungen ein erhöhtes Gefahrenpotential durch die Ausscheidungen von Kohlenstoffmonoxid. Außerdem geben sämtliche Heiz- und Erhitzungsvorrichtungen Feinstaub und Stickstoffoxiden ab, welche Lunge und Herz schädigen können. Aber nicht nur darin steckt eine potentielle Lebensgefahr. Auch in ganz herkömmlichen Gebrauchsgegenständen, die wohl jeder von uns daheim hat und benutzt, haben die Forscher versteckte Gase gefunden, die in die Luft abgegeben und zu gefahren werden.

Raumsprays, Deodorants und verschiedene Reinigungsprodukte enthalten oft Chemikalien, die durch das Sprühen von flüssigen in den gasförmigen Zustand gebracht werden. Diese flüchtigen organischen Verbindungen (engl. VOCs) können durch den Übergang in den gasförmigen Zustand eingeatmet werden und Atemwegserkrankungen auslösen.

Auch Kleber und Abdichtungen von Möbeln können Formaldehyd absondern, welches zu Irritationen in der Lunge führen kann und sogar als krebserregend eingestuft ist.

Die Forscher sehen die Ursache in der besseren Abdichtung und Isolierung, die zu einer Reduzierung von Luftzügen und Luftzirkulation führt. In Deutschland wurden über die letzten Jahre hinweg viele Häuser und Fenster neu isoliert, so dass Energiekosten für das Heizen eingespart werden konnten. Vor allem Kinder seien stark gefährdet.

So sagt Professor Jonathan Grigg, Professor der Pädiatrischen Atmung- und Umweltbedingten Medizinischen Abteilung der Queen Mary University in London: "Es gibt deutliche Ergebnisse, dass Kinder, die über längere Zeit hinweg Luftverschmutzung ausgesetzt sind eine Vielzahl negativer Auswirkungen aufwiesen.

Und das frühe Ausgesetztsein kann zu schwerwiegenden Krankheiten wie Asthma führen." Deshalb fordert Grieg auch eine kontrollierte Überwachung von Luftverschmutzungen, damit Menschen mit größerem Risiko frühzeitig gewarnt werden können.

Auch der Forschungsbericht weist auf eben dieses erhöhte Gefahrenpotenzial für Kinder hin: "Beispiele zeigen, wie immens die Folgen der Luftverschmutzung auf die Entwicklung des Fötus ist, über Lungen- und Nierenschäden bis hin zu Fehlgeburten, erhöhtes Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten und Zusammenhänge zu der Entstehung von Asthma, Diabetes, Demenz, Übergewicht und Krebs in allen Bevölkerungsschichten.

Deshalb sei es nun Zeit endlich etwas gegen die ansteigende Luftverschmutzung zu unternehmen. Studienleiter Dr. Andrew Goddard des RCP sagte: "Wenn man jetzt gegen die Luftverschmutzung in Großbritannien angeht, wird das für Menschen die bereits an chronischen Krankheiten leiden eine enorme Erleichterung nach sich ziehen, ganz zu schweigen von den verringerten Langzeitansprüchen an das Gesundheitssystem."

Auch in Deutschland arbeitet das Bundesumweltministerium seit über 15 Jahren an der Verbesserung der Innenraumluft. Denn auch Duftkerzen, offene Feuerstellen, Renovierungen und Schimmel in der Wohnung kann zu einer deutlichen Verschlechterung der Luftqualität führen und somit Krankheiten verursachen.

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