POLITIK
21/02/2016 10:22 CET

Wahlforscher: Es stand schon mal schlechter um Merkel

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Wahlforscher: Es stand schon mal schlechter um Merkel

Kritiker geben Angela Merkel nicht mehr viel Zeit als Kanzlerin. Ihre Umfrageergebnisse sind in der ganzen Bevölkerung mies. Und selbst unter CDU-Wählern schlecht. Daran ändern auch die Stimmen einiger Unterstützer nichts, die sich öffentlich zu Wort melden.

Was Matthias Jung allerdings sagt, lässt die düstere Lage in einem anderen Licht erscheinen. Er ist Chef der Forschungsgruppe Wahlen, die für das ZDF Umfragen liefert und Wahlen analysiert.

Merkel kann sich wieder erholen

Der Wahlforscher weist darauf hin, dass es für Merkel schon wesentlich schlechter ausgesehen habe. In der Legislaturperiode von 2009 bis 2013 "hatte sie zwei Jahre vor ihrer triumphalen Wiederwahl viel schlechtere Werte als selbst heute", sagte Jung.

Sowohl Gerhard Schröder (SPD) als auch Helmut Kohl (CDU) seien nach fast aussichtslosem Popularitätstief wiedergewählt worden, so der Wahlexperte.

Es stand schon schlechter um die Kanzerlin

Jung sagt, er sehe keinen Grund, warum sich Merkel nicht wieder erholen könne – aber es gibt eine Voraussetzung.

Entscheidend sei die Entwicklung in der Flüchtlingskrise. Hier habe sich die Kanzlerin "von einer präsidentiellen Position zu einer polarisierenden" bewegt, "mit Positionen, die nicht einmal mehr von der Hälfte der Bevölkerung getragen werden".

Unsere Politik brauchte Zeit

Nun ist zwar denkbar, dass die Grenzpolitik der Balkanstaaten und Österreichs den Zuzug von Flüchtlingen auch nach Deutschland bremsen werden. Aber die Kanzlerin selbst bleibt bei ihrer Haltung, keine deutsche, sondern eine europäische Lösung zu suchen.

Das stellte ihr Flüchtlingskoordinator und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) erst wieder in der aktuellen "Welt am Sonntag" klar. "Unsere Politik war richtig, aber sie brauchte Zeit: Sobald die Zahlen deutlich sinken, werden wir die meisten Kritiker überzeugen und zurückgewinnen".

Merkel handelt aus strategischen Motiven

Altmaier sagt, Deutschland könne "in absehbarer Zeit mit der Türkei und Griechenland an der Außengrenze erfolgreich sein". Deutschland verhandelt mit der Türkei, um so viele Flüchtlinge wie möglich dort zu halten und erst gar nicht in die EU kommen zu lassen. Das Vorgehen wurde als Merkels Plan A bezeichnet.

Der Kanzleramtsminister verteidigte Merkels Politik. Sie sei mehr als "bloßes Krisenmanagement", denn im Erfolgsfall stabilisiere sie den Balkan, Europa und sogar den Nahen Osten.

Er sieht Merkels Bekenntnis zu europäischem Handeln nicht als moralische Frage, sondern als strategische Entscheidung. "Das war der Ansatz von Otto von Bismarck, von Konrad Adenauer und von Helmut Kohl. Jetzt ist es der Ansatz von Angela Merkel".

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