POLITIK
21/02/2016 16:38 CET | Aktualisiert 22/02/2016 12:45 CET

Ausweichroute nach Europa: Zahl der Flüchtlinge soll massiv steigen

Immer mehr Flüchtlinge sollen in Griechenland ankommen
dpa
Immer mehr Flüchtlinge sollen in Griechenland ankommen

Die Zahl der nach Europa kommenden Flüchtlinge soll Medienberichten zufolge offenbar schon sehr bald massiv steigen. Aktuell nimmt laut europäischen Behörden die Zahl der Zuwanderer, die über die Ägäis aus der Türkei nach Europa gelangen, deutlich zu. Sobald das Wetter besser werde, sollen dann nach Expertenschätzungen bis zu 200.000 der Zuwanderer über die Mittelmeerroute von Nordafrika auf den Kontinent übersetzen.

Der Flüchtlingszustrom von der türkischen Küste nach Griechenland hat in den vergangenen Tagen stark zugenommen. Wie die staatliche griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA berichtet, erreichte am Samstagabend ein Schiff mit 1360 Flüchtlingen und Migranten die Hafenstadt Piräus.

Im Februar kamen zehnmal so viele Flüchtlinge nach Griechenland als im Vorjahresmonat

Von Dienstag bis Freitag seien mehr als 11.000 Menschen auf den Inseln in der Ostägäis angekommen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Flüchtlingsboote erreichten sogar die weit im Südosten der Ägäis liegende kleine griechische Insel Kastellorizo. Dort versuchten gut 250 Bewohner, etwa 1000 Flüchtlinge zu versorgen.

Allein am Donnerstag und Freitag erreichten nach UNHCR-Angaben jeweils 4600 und 4800 Flüchtlinge die griechischen Inseln - mehr als doppelt so viele als im Durchschnitt, der seit Jahresbeginn bei 1740 Ankünften täglich lag. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge stieg im Februar sprunghaft auf 27.555 Menschen an. Zum Vergleich: Im Februar des Vorjahres kamen lediglich 2783 Menschen über das Meer.

Griechische Medien mutmaßen der Nachrichtenagentur „dpa“ zufolge, dass der plötzliche starke Anstieg von den türkischen Behörden mindestens gebilligt worden sei, um die europäischen Verhandlungspartner unter Druck zu setzen. Für Anfang März ist ein weiterer Sondergipfel mit der Türkei geplant – dort geht es für die Türkei um mehrere Milliarden Euro an EU-Geldern. Mit dem Geld will Brüssel der Türkei ermöglichen, die vor allem aus dem Irak und Syrien stammenden Kriegsvertriebenen adäquat unterzubringen.

Doch nicht nur an der Ost-, sondern auch an der Südgrenze ist derzeit viel in Bewegeng: Die internationalen Schlepperbanden werden sich Medienberichten zufolge wegen der Verschärfung der Grenzkontrollen auf der Balkanroute nach Einschätzung europäischer Behörden neue Wege Richtung Norden suchen. Eine stärkere Sicherung der EU-Außengrenze in der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei werde dazu führen, dass Flüchtlinge unter anderem auf die gefährliche zentrale Mittelmeerroute aus Libyen und Ägypten ausweichen, schrieb die "Welt am Sonntag".

Nachrichtendienste aus verschiedenen Ländern hätten beobachtet, dass in libyschen Küstenorten bereits zwischen 150 000 und 200 000 Flüchtlinge auf besseres Wetter warteten, um die Fahrt übers Mittelmeer zu wagen. Bislang kämen die Flüchtlinge dort vor allem aus Eritrea, Nigeria und Somalia. Die Zahl der Migranten aus der Kriegsregion in Syrien steige jedoch. Andere Flüchtlingsrouten könnten künftig über das Schwarze Meer, über Georgien und Russland sowie von Albanien aus übers Meer nach Italien verlaufen.

Mazedonien schließt Grenzen

In Sicherheitskreisen werde gewarnt, dass stark geschützte Grenzen den Migrationsdruck zwar reduzieren, aber nicht beseitigen werden. Gründe dafür seien der weiter in Syrien tobende Krieg und die anhaltend schlechte Situation in vielen Flüchtlingslagern sowie vielfältige Konflikte in Afrika.

Derweil hat Mazedonien seine südliche Grenze zu Griechenland für Flüchtlinge aus Afghanistan dicht gemacht. Lediglich Menschen aus Syrien und dem Irak dürften noch einreisen, teilte die griechische Polizei am Sonntag mit.

mit Material von dpa und AP

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