POLITIK
21/02/2016 05:07 CET

Das hat der Flüchtlingsjunge aus Clausnitz zu sagen

Fluechtlingsjunge weint
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Fluechtlingsjunge weint

Ein wütender Mob umzingelt einen Bus mit sichtbar verängstigten Flüchtlingen, aggressive Parolen wie "Wir sind das Volk" und "Verpisst euch doch" sind zu hören.

Das Video, das die Ankunft einer Gruppe von Flüchtlingen im sächsischen Clausnitz zeigte, schockierte Deutschland. Auch wegen einer bestimmten Szene, die abbildet, wie ein Polizist einen Flüchtlingsjungen grob aus dem Bus und durch die Menge zerrt.

Die Begründung der Polizeigewerkschaft: Es habe Gefahr für Leib und Leben der Flüchtlinge bestanden, deshalb sei eine Räumung alternativlos gewesen, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt im Gespräch mit der Huffington Post.

Zudem habe der Flüchtlingsjunge aus dem Video den Mob provoziert: "Er hat den rechten Demonstranten vor dem Fahrzeug mehrfach den Stinkefinger gezeigt und zudem mit seiner Hand am Hals das Kopf-Ab-Zeichen gemacht", hieß es weiter.

Mein Hals und meine Schultern tun noch weh

Doch was hat der Junge selbst zu dieser Nacht zu sagen? Die "Bild am Sonntag" sprach mit dem 15-jährigen Luai K., der zusammen mit seinem Vater und seinem 14-jährigen Bruder in Clausnitz unterkommen ist.

Der Übergriff ist noch allgegenwärtig. "Mein Hals und meine Schulter tun noch weh", sagt der Jugendliche im Interview. Vor den Menschen in Deutschland habe er nun Angst - und auch vor der deutschen Polizei.

Er und seine Familie seien vor der Terrormiliz Islamischer Staat aus dem Libanon geflohen, erzählt er im Interview: "ISIS-Leute haben meinen Vater immer wieder bedrängt: Er soll mich in Syrien kämpfen lassen. Wir hatten große Angst und flohen", so der 15-Jährige.

Nach den Vorfällen in Clausnitz hat sich inzwischen auch die Politik eingeschaltet. Die Grünen gaben am Samstag bekannt, den Polizeieinsatz vor einer Flüchtlingsunterkunft in Sachsen zum Thema im Innenausschuss des Bundestags zu machen.

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