POLITIK
21/02/2016 22:58 CET | Aktualisiert 22/02/2016 01:36 CET

Clausnitz: Neue Enthüllungen bringen den Heimleiter in Bedrängnis

DPA

Der Leiter des Flüchtlingsheimes in Clausnitz gerät unter Verdacht. Die fremdenfeindlichen vor der Flüchtlingsunterkunft im Erzgebirgsdorf sind nach MDR-Recherchen vom Bruder des Einrichtungsleiters mitorganisiert worden. In einem auszugsweise vorab gezeigten Interview des Fernsehmagazins "Exakt" drückte der Mann sein Bedauern aus.

Er habe die Eskalation nicht vorhersehen können. "Wir wollten nur sehen, wer kommt. Es war eine kurzfristige Aktion", sagte er. "Es wurde hochgeputscht." Er und seine Mitstreiter aus dem Dorf hätten zeigen wollen, dass man nicht mit der Asylpolitik in Deutschland einverstanden sei. Dass die Situation eskaliert sei, habe man nicht gewollt - aber nicht verhindern können.

In dem kleinen Ort pöbelte ein Mob gegen die Ankunft von Flüchtlingen. Am Donnerstagabend hatten sich zeitweise bis zu 100 Menschen vor dem Flüchtlingsheim versammelt und versucht, die Ankunft der Asylbewerber mit einer Blockade zu verhindern. Auf Facebook veröffentlichte Videos von weinenden und verängstigten Flüchtlingen brachten den Ort in die Schlagzeilen.

Auch der Leiter der Flüchtlingsunterkunft gerät in die Kritik. Thomas Hetze, ist AfD-Mitglied. Der 47-Jährige kandidierte sogar für das Amt des Bürgermeisters von Holzhau, einem Nachbarort von Clausnitz. Es wurde bereits darüber spekuliert, dass er verraten haben könnte, wann der Bus eintreffen würde.

In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung sagt er: "Ich bin erst seit Dezember AfD-Mitglied. Ich bin mir nicht sicher, ob der Eintritt richtig war. Vielleicht nicht, denn mittlerweile ist dort einiges ganz schön heftig. Kann man denn nicht gegen die Politik sein und trotzdem helfen?"

Die Polizei würde nicht gegen ihn ermitteln. Zum Ablauf der Ereignisse dürfe er sich nicht äußern, teilte er der "Bild" mit. Über die Demonstranten sagte er: "Von den pöbelnden Leuten stammten maximal 20 Prozent direkt aus dem Ort. Die anderen sind wohl aus der ganzen Region spontan angereist."

Trotz seiner politischen Ausrichtung wurde Hetze als Betreuer für Flüchtlinge eingestellt. Das Einstellungsgespräch bei der kreiseigenen Managementgesellschaft GSQ habe ergeben, dass Hetze für den Job qualifiziert sei, teilte der Landkreis der "Süddeutschen Zeitung" mit. Von seiner Mitgliedschaft bei der AfD habe man zu dem Zeitpunkt nichts gewusst. "Erst danach gab es Gerüchte".

Hetzte hatte in Holzhau einen Stammtisch für die AfD organisiert. Danach sei seine politische Einstellung Ende Januar bei einer Bürgerversammlung offen thematisiert worden, berichtet die Zeitung weiter. Der Impulsvortrag der Veranstaltung stand demnach unter dem Motto "Asyl und andere politische Amokfahrten".

Seine Arbeit mit Flüchtlingen habe nichts mit seiner AfD-Mitgliedschaft zu tun. Dies soll Hetze während der Versammlung gesagt haben. Er sei mit der Politik in Deutschland unzufrieden, das könne er nur über eine Partei artikulieren.

Mit Material der DPA

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