POLITIK
20/02/2016 02:39 CET

Zentralrat der Juden warnt: Deutschland driftet nach rechts ab

dpa
Teilnehmer eines Aufmarsches der rechtsextremen Gruppierung "Der dritte Weg" gehen am 01.05.2015 in Saalfeld (Thüringen) durch die Stadt (Archivbild)

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, blickt mit Sorge auf die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland. In einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zeigte sich Schuster beunruhigt, "dass die politische Stimmung in unserer Gesellschaft offensichtlich nach rechts abdriftet".

In jüdischen Gemeinden werde deshalb durchaus besorgt diskutiert, welchen Platz Juden künftig in Deutschland hätten.

Gedanken über Auswanderung sind wieder präsenter

Er sehe derzeit keine jüdische Auswanderungswelle aus Deutschland bevorstehen, betonte der Präsident des Zentralrates. Allerdings seien die Gedanken darüber hierzulande unter Juden inzwischen deutlich präsenter.

Noch vor einem Jahr habe er nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" in Paris voller Überzeugung gesagt, dass Überlegungen zu einer Auswanderung aus Deutschland in jüdischen Gemeinden kein Thema seien. "Das würde ich heute in dieser Form nicht mehr sagen", räumte Schuster ein.

Auch Grundsätze wie die Gleichberechtigung sind wichtig

Der Zentralrat fordert, Flüchtlingen bei der Integrationsarbeit in Deutschland die strikte Ablehnung von Antisemitismus zu vermitteln. "Den Menschen, die zu uns kommen, muss klar werden, dass antisemitisches Verhalten in Deutschland nicht toleriert wird", sagte Schuster. Andere Grundsätze wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau seien ebenso wichtig.

"Doch die Ablehnung von Antisemitismus und die Anerkennung des Staates Israel sind wichtige Punkte, die in Integrationsmaßnahmen zwingend eine Rolle spielen müssen." Dies sei nötig, "weil unter den Zufluchtsuchenden ein erheblicher Anteil arabischstämmiger Menschen ist, die mit juden- und israelfeindlichen Stereotypen aufgewachsen sind".

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