POLITIK
20/02/2016 07:00 CET | Aktualisiert 23/05/2016 05:45 CEST

Studie der Hans-Böckler-Stiftung: In diesen Regionen Deutschlands ist die Kinderarmut am höchsten

dpa

Kinder sind in Deutschland nach wie vor von Armut betroffen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach leben 19 Prozent aller Mädchen und Jungen unter 18 Jahren in einem einkommensarmen Haushalt. Der Anteil der armen Kinder verharrt damit seit 1996 auf hohem Niveau.

Die Unterschiede nach Region sind weiterhin beträchtlich: Am höchsten ist die Kinderarmut in Bremen (33,1 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt (28,7 Prozent) und Leipzig (27,0 Prozent).

Die niedrigste Kinderarmut weisen die Regierungsbezirke Oberbayern (9,1 Prozent), Oberpfalz (9,6 Prozent) und Tübingen (10,5 Prozent) auf.

Generell zeige sich, dass Kinderarmut im Osten (24,6 Prozent) weiterhin verbreiteter ist als im Westen (17,8 Prozent), heißt es in der Studie. Vier der sechs Regionen, in denen die Kinderarmut mehr als 25 Prozent betrage, seien in Ostdeutschland (inkl. Berlin) zu finden.

Eine Grafik der Hans-Böckler-Stiftung zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle bei Kinderarmut in Deutschland:

armut

(Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)

Wohlfahrtsverbände hatten in den vergangenen Monaten immer wieder gewarnt, dass die Armut von großen Bevölkerungsgruppen in Zukunft deutlich zunehmen werde.

Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle derzeit bei einem Nettoeinkommen von weniger als 1926 Euro im Monat.

Ein Armutszeugnis für die Familienpolitik der Bundesregierung

Im Jahr 2014, dem letzten, für das aktuell Mikrozensus-Daten vorliegen, lebten demnach rund 2,47 Millionen Kinder in Armut.

"Die hohen Kinderarmutszahlen sind ein Armutszeugnis für die Familienpolitik der Bundesregierung", hatte schon im Januar Franziska Brantner, familienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, gesagt. Notwendig sei eine gerechtere und effektivere Verteilung der familienbezogenen Leistungen.

Der Präsident der Volkssolidarität, Wolfram Friedersdorff, beklagte Anfang des Jahres, armen Kindern blieben so wichtige Dinge vorenthalten wie regelmäßiges Mittagessen und gesunde Ernährung, Bücher, Freizeitmöglichkeiten mit Freunden und anderes. "Das sollte sich ein reiches Land wie die Bundesrepublik nicht leisten."

Mit Material von dpa

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