POLITIK
19/02/2016 02:29 CET | Aktualisiert 12/01/2017 13:45 CET

"Europa hat versagt": Uno-Flüchtlingskommissar wählt drastische Worte in der Flüchtlingskrise

dpa

Es sind scharfe Worte, die zeigen, wie zerstritten die EU in der Flüchtlingskrise ist. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, hat den Europäern vorgeworfen, Deutschland und wenige andere Staaten in der Flüchtlingskrise allein gelassen zu haben.

Grandis Kritik dürfte beim EU-Gipfel in Brüssel für Diskussionen unter Europas Regierungschefs sorgen: "Beim Thema Registrierung und Verteilung hat die europäische Kooperation und Solidarität völlig versagt", sagte Grandi der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

Wir wollen, dass Europa mehr macht

Der UNHCR-Chef sagte, noch immer lohne es sich, die Vereinbarung zur Verteilung von 160.000 Flüchtlingen umzusetzen. "Ja, es ist wichtig, dass dieses System kommt. Aber es wird schwer. Ich sehe zur Zeit nicht viel Zugkraft in diese Richtung", sagte Grandi. "Wir wollen, dass Europa mehr macht."

Gleichzeitig warnte er vor dem Schließen nationaler Grenzen in Europa. "Unsere Angst ist, dass das Schließen nationaler Grenzen in Europa dazu führt, dass sich Hunderttausende Flüchtlinge in Griechenland einfinden werden. Ganz ehrlich, wenn es dazu kommen sollte, bräuchten wir sehr viel Hilfe", sagte Grandi.

Zuletzt hatte unter anderem Österreich eine Tagesobergrenze von 3200 Flüchtlingen festgelegt, die nach Deutschland weiterreisen wollen. Zudem ist für Österreich eine Höchstzahl von täglich 80 Asylanträgen an der Südgrenze geplant.

Reißt Euch zusammen und kümmert Euch selbst drum

Grandi bot im "FAZ"-Interview zudem erneut die Hilfe des UNHCR an. "Unsere Botschaft an Europa lautet: Reißt Euch zusammen und kümmert Euch selbst drum. Wenn unsere Hilfe aber benötigt wird, werden wir da sein."

Grandi sagte, er befürworte den Vorschlag, der Türkei Flüchtlingskontingente abzunehmen, wenn es Ankara gelinge, die Küste besser zu kontrollieren und das Schleusertum zu unterbinden.

"Wir sind bereit zu helfen, wenn die EU und Ankara das wollen", sagte Grandi. "Noch sind nicht alle Voraussetzungen für die Aufnahme von Kontingenten erfüllt, besonders was die Kontrolle der türkischen Küsten anbelangt", äußerte Grandi. "Wir haben Ankara angeboten, auch bei der Versorgung gestrandeter Flüchtlinge zu helfen."

Deutschlands Flüchtlingspolitik und insbesondere die Haltung der Bundeskanzlerin seien "couragiert", sagte Grandi. "Unglücklicherweise ist sie mit ihrer Haltung ein wenig isoliert."

Auch auf HuffPost:

Silvesternacht von Köln: Nur drei von 58 Festgenommenen sind Flüchtlinge

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.