POLITIK
17/02/2016 15:33 CET | Aktualisiert 17/02/2016 18:05 CET

Unterbringung von Flüchtlingen - Stadtsoziologe: Flüchtlinge in Deutschland werden diskriminiert

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Wie deutsche Behörden Ghettos fördern

Wer Menschen integrieren will, darf sie nicht in Ghettos abschieben. So viel Sachverstand darf man auch fachfremden Politikern zutrauen.

Trostlose Container und umfunktionierte Turnhallen dürften zwar mancherorts als notdürftige Erstaufnahme von Flüchtlingen alternativlos sein - doch die Notfallplan-Politik der Städte und Kommunen entwickelt sich immer mehr zu einem ernstzunehmenden Problem für Deutschland.

Forscher und Aktivisten warnen schon länger, dass Integration nur gelingt, wenn Menschen aus anderen Ländern Kontakt zur umlebenden Bevölkerung haben. Mit anderen Worten: Isolation ist Gift für eine gelebte Willkommenskultur. Ähnlich hatte sich im vergangenen Jahr der Städtetag geäußert, der bei der Planung von Flüchtlingswohnungen vor einer Ghettoisierung warnte.

Das halte ich für ganz problematisch

Jetzt hat sich der Stadtsoziologe Jürgen Friedrichs in die Debatte eingeschaltet. Friedrichs erforscht, wie Städtebau soziale Strukturen beeinflusst. Friedrichs kritisierte im Deutschlandfunk die Ausgrenzung von Asylbewerbern in Deutschland.

"Denn wenn Sie äußerlich sehen können, dieses ist ein Container-Dorf oder eine Container-Ansiedlung, oder Sie sehen ein Gebäude mit schlechter Qualität und sagen, ach da wohnen die Asylanten - so würde der Spruch wahrscheinlich lauten -, dann ist das eine Form der Diskriminierung, und das halte ich für ganz problematisch", sagte der Kölner Soziologe.

Die Integration wird damit erschwert

Friedrichs Forderung: Man müsse versuchen, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen - "und zwischendurch in Einrichtungen, die nicht alleine schon durch die Architektur diese Flüchtlinge diskriminieren."

Dass Deutschland "Pariser Verhältnisse" drohen, wie es am Mittwoch der CDU-Großstadtbeauftragte Kai Wegner der "Welt" sagte, wolle Friedrichs nicht vorhersagen. "Aber ich stimme Ihnen insofern zu, als wir uns ein Problem bauen und dass die Integration der Flüchtlinge damit erschwert wird."

Ob Deutschland Verhältnisse wie in den Pariser Vororten bevorstehen, hänge davon ab, inwieweit die Personen die Sprache lernten und inwieweit wir die Möglichkeit hätten, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, erklärte der Forscher.

Man wird damit rechnen müssen, dass Leute wegziehen

Die in vielen deutschen Städten geplanten Wohngebiete für Flüchtlinge sieht Friedrichs als Problem. "Das sind sozusagen Neubausiedlungen, in denen die Flüchtlinge unter sich sind, was ja schon mal ein Problem darstellt, so dass die Kontakte unter den Flüchtlingen wahrscheinlich sehr viel größer sind als die Kontakte zu der umgebenden, sagen wir mal, deutschen Bevölkerung."

Je mehr Flüchtlinge in solchen Wohngebieten untergebracht würden, desto geringer werde die Bereitschaft der Bevölkerung sein, ihnen zu helfen. "Und desto eher wird man vielleicht sogar damit rechnen müssen, dass Leute aus dem Gebiet ausziehen", warnte Friedrichs.

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