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17/02/2016 13:03 CET | Aktualisiert 18/02/2016 03:31 CET

Cannabis-Studie: Gen kann Psychosen verursachen

Cannabis-Studie: Gen kann bei Kiffern Psychosen verursachen
rez-art via Getty Images
Cannabis-Studie: Gen kann bei Kiffern Psychosen verursachen

In Deutschland wird hitzig über die Legalisierung von Cannabis diskutiert. Politiker wie Cem Özdemir (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) setzen sich offen dafür ein. Denn anders als bei Alkohol gibt es wegen des Konsums von Cannabis noch keine Todesfälle.

Trotzdem hat auch Marihuana Nebenwirkungen. So kann das Kiffen zu Psychosen führen. Aber nicht jeder leidet darunter. Das Geheimnis dafür liegt in unseren Genen. Das hat eine Studie aus Großbritannien nun herausgefunden.

Wissenschaftler der University of Exeter und dem University College London untersuchten 442 junge und gesunde Cannabis-Konsumenten. Die Tests wurden einmal durchgeführt, als die Probanden unter Drogen-Einfluss standen und ein weiteres Mal sieben Tage später in nüchternem Zustand. Die Ergebnisse sind jetztin der Fachzeitschrift "Translational Psychiatry" erschienen.

Die Analysen weisen auf ein gemeinsames Gen jener Probanden mit Psychosen hin. So seien Menschen mit dem Genotyp AKT1 doppelt so häufig von einer solchen Störung betroffen als die anderen Kiffer. Die Tatsache, dass alle Patienten völlig gesund waren, bestätigte den Genotyp als Ursache und Indikator der psychotischen Anfälligkeit.

"Es ist sehr wichtig zu wissen, dass dieser Polymorphismus (Anm. d. Red.: also diese Genvariation) ein Indikator für die Anfälligkeit von Schizophrenie ist, auch wenn bei den Betroffenen keine familiäre Vorgeschichte diesbezüglich vorliegt," erklärt Studienleiterin Professor Celia Morgan von der University of Exeter.

Der Genotyp AKT1 ist folglich nicht zwingend vererbbar. Interessant ist auch, dass Frauen in der Studie eine erhöhte Anfälligkeit aufwiesen. Das kann wohl auch durch vorangegangene Tierversuche erklärt werden:

Diese bewiesen, dass Männer mehr Rezeptoren im Gehirn besitzen, auf die sich der Cannabis-Konsum auswirkt. Diese befinden sich im präfrontalen Vortex, welcher für die Funktion des Kurzzeitgedächtnisses zuständig ist. Auch wenn es nicht wissenschaftlich bestätigt ist, können die Ergebnisse darauf hinweisen, dass Männer weniger empfindlich für Gedächtnisstörungen sind, wenn sie Cannabis konsumieren.

Bereits 2012 wurde am King's College in London eine Studie durchgeführt, die das Psychose-Risiko für Kiffer untersuchte. "Wir fanden heraus, dass Cannabis-Konsumenten mit dem Genotyp AKT1 eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für Psychosen aufwiesen und dieses Ergebnis sich auf das Siebenfache erhöht, wenn die Probanden täglich konsumierten," erklärt Studienleiter Marta Di Forti vom Kings' Institute of Psychiatry.

Diese Ergebnisse könnten die weitere Forschung vorantreiben. Vor allem Menschen mit dem Genotyp könnten frühzeitig vor einer Psychose wie Schizophrenie bewahrt werden. Allerdings muss auch beachtet werden, dass sich die grundsätzliche Anfälligkeit für psychische Störungen bei Cannabis-Konsum laut den Wissenschaftlern auf lediglich ein Prozent beläuft.

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