LIFESTYLE
17/02/2016 11:32 CET | Aktualisiert 17/02/2016 15:08 CET

Bio-Produkte sind gesünder - aber nicht immer

dpa
Bio-Milch ist im Hinblick auf die essentiellen Fettsäuren der konventionellen Milch voraus.

Der Streit um Bioprodukte als die gesündere Alternative hält an. Denn konventionellen Lebensmitteln wird ein erhöhter Anteil an Antibiotikarückständen und Schadstoffen nachgesagt. Jetzt konnten in einer Studie aber signifikante Unterschiede zwischen Bio- und konventionellen Fleisch- und Milch-Produkten nachgewiesen werden.

Das Forscherteam der Newcastle Universität in Großbritannien hat dafür in einer breit angelegten Studie Daten aus der ganzen Welt ausgewertet. Dabei wurden in Bezug auf Milchprodukte fast 200, bei Fleisch mehr als 60 Studien zusammengetragen. Mit dieser Datenlage ist die Vergleichsanalyse die bisher größte ihrer Art.

Die Ergebnisse könnten viele Fleisch- und Milch-Liebhaber freuen. Bisher wurde Menschen mit zu hohem Cholesterin-Spiegel geraten den Verzehr von tierischen Produkten zu senken und eher auf pflanzliche Alternativen umzusteigen.

Denn die wichtigen und gesunden, also ungesättigten Fettsäuren findet man hauptsächlich in Nüssen, Avocados und anderen pflanzlichen Produkten. Da diese nicht vom Körper selbst hergestellt werden können, ist die Aufnahme durch Nahrung zudem essentiell. Die ungesunden gesättigten Fettsäuren hingegen, welche hauptsächlich in tierischen Produkten zu finden sind, gelten als Risikoträger für kardiovaskuläre Herzkrankheiten.

Doch nach der Studie ist anscheinend ein Umdenken nötig. Denn in Milch und Fleisch mit Bio-Siegel finden sich etwa 50 Prozent mehr an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren als in den konventionellen Produkten dieser Art, wie es in den vorgestellten Ergebnissen im "British Journal of Nutrition" heißt.

Zurückzuführen sind diese Erkenntnisse auf die Haltungsbedingungen der Tiere. Vor allem die Futtermittel lieferten schon in vorangegangenen Experimenten deutliche Unterschiede im Mehrwert der Endprodukte. So würden Kühe, die sich mehr von frischem Futter, wie Gras, und nicht hauptsächlich von Kraftfuttermittel ernähren, etwa 20 Prozent weniger Milch geben. Dieses Weniger ist am Ende aber doch mehr: Denn durch die geringere Produktion wird offenbar die Fettverwertung in der späteren Bio-Milch angekurbelt.

Grundsätzlich gesünder sind Bio-Fleisch und Bio-Milch dennoch nicht zwingend. Denn über die besorgniserregenden "Antibiotikarückstände gibt es leider kaum vergleichende Untersuchungen", erklärt Studienleiter und Professor Carlo Leifert. Für Fleisch gab es in der Studie auch keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf den Gehalt von Vitaminen, Fett oder Schadstoffen.

Die Ergebnisse zeigen aber auch kontroverse Befunde zu Milchprodukten: Konventionelle Milch enthält nämlich rund 75 Prozent mehr Jod als ihr Bio-Äquivalent. Das Spurenelement - wie auch Omega-3-Fettsäuren - kommt in den Nahrungsmitteln aus Deutschland nur sehr geringfügig vor. Deshalb leiden auch etwa 30 Prozent der Deutschen unter einem Jodmangel, welcher sich negativ auf die Schilddrüsenfunktion auswirken kann.

Dennoch würde eine kleine Änderung in der Lebensweise neben dem Tierschutz auch zu einer bewussteren und teilweise gesünderen Ernährung führen. "Nimmt man die Studien über die Nutztierhaltung, Milch und Fleisch zusammen, suggerieren die Ergebnisse, dass ein Wechsel zu ökologischen Obst, Gemüse, Fleisch- und Milchprodukten eine signifikant höhere Versorgung an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien bereithält", erklärt Studienleiter Leifert.

Auch auf HuffPost:

Wer ist DE-ÖKO-007? Auf Tee, Müsli, Reiswaffeln: So lesen Sie den Bio-Logo-Code der EU

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.