POLITIK
17/02/2016 18:18 CET | Aktualisiert 18/02/2016 04:13 CET

Anschlag von Ankara: Die 5 wichtigsten Fakten und Hintergrundinfos

In der türkischen Hauptstadt Ankara sind am Mittwochabend bei einem Bombenanschlag viele Menschen getötet worden. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

1. Das ist passiert

Im Regierungsviertel Cankaya in der Nähe des Parlaments stoppte im abendlichen Berufsverkehr gegen 18.30 Uhr ein Konvoi mit Bussen der Armee an einer Ampel. Ein Auto mit einer Bombe an Bord raste in die Busse. So beschreiben das Militär und der Provinzgouverneur das Drama. Die Explosion war heftig, Fotos zeigen Feuer und eine hoch austeigende Rauchsäule. Zwei Busse brannten wohl völlig aus.

2. Das ist über die Opfer bekannt

Nach offiziellen Angaben vom Mittwochabend sind mindestens 28 Tote und 61 Verletzte. Ob alle Opfer Armeeangehörige sind, war am Abend nicht bekannt.

3. Wer hinter dem Anschlag steckt

Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, es gebe noch keine Informationen darüber, wer für die Tat verantwortlich sei. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hatte angekündigt, Angriffe auf staatliche Institutionen auszuweiten. Zunächst bekannte sich aber niemand zu der Tat.

Die Armee geht seit Mitte Dezember mit einer Offensive gegen PKK-Kämpfer vor, die sich in Städten im überwiegend von Kurden bewohnten Südosten der Türkei verschanzt haben. In mehreren Bezirken gelten seitdem Ausgangssperren. Zuletzt hatte die Armee ihren Einsatz auf die Stadt Idil ausgeweitet. Dort kam es in der Nacht zu Mittwoch zu schweren Gefechten. Ein mehr als zwei Jahre anhaltender Waffenstillstand zwischen PKK und türkischer Regierung war im Juli gescheitert. Seitdem eskaliert der Konflikt.

4. Anschläge in der Türkei häufen sich

In der Türkei haben sich in den vergangenen Monaten Anschläge gehäuft.

  • Mitte Januar riss ein Selbstmordattentäter in Istanbul elf deutsche Touristen mit in den Tod. Die Regierung machte den IS für diese Tat verantwortlich.
  • Im Oktober waren in Ankara beim schwersten Anschlag in der jüngeren Geschichte der Türkei mehr als Hundert Menschen getötet worden. Ziel waren damals Teilnehmer einer regierungskritischen Friedensoperation. Die Regierung machte auch dafür den IS verantwortlich.
  • Türkische Sicherheitskräfte sind in den vergangenen Monaten vor allem in der Südosttürkei immer wieder Ziel von Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK geworden. Im September starben bei einem PKK-Anschlag im südosttürkischen Ort Daglica 16 Soldaten.

5. Welche politischen Folgen der Anschlag haben wird

Wie die türkische Regierung reagiert, wird maßgeblich davon abhängen, wer als Schuldiger der Anschläge ausgemacht wird. Allerdings ist davon auszugehen, dass die türkische Regierung in jedem Fall mit militärischer Härte vorgeht.

Präsident Recep Tayypi Erdogan verbreitete über die Website des Präsidialbüros eine Erklärung. Der Kampf gegen den Terror werde noch entschlossener weitergeführt, heißt es da. „Die Türkei wird nicht zögern, von ihrem Recht auf Selbstverteidigung jederzeit, überall und unter allen Umständen Gebrauch zu machen.“

Die türkische Luftwaffe bombardierte nach irakischen Medienberichten am Mittwochabend Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak. Unklar war, ob die Luftschläge im Zusammenhang mit dem Terroranschlag standen.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte nach dem Anschlag seinen Besuch in Brüssel zu Gesprächen über die Flüchtlingskrise ab. Davutoglu wollte eigentlich am Donnerstag in Brüssel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammenkommen.

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