POLITIK
16/02/2016 23:42 CET | Aktualisiert 17/02/2016 01:21 CET

Bei diesen Waffensystemen hat Russland die USA längst überholt

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Russische T-90 Panzer bei einer Militärparade in Moskau

Russische Politiker schocken die westlichen Staaten mit Drohungen. Der russische Premierminister Dmitri Medwedew sprach bei der Münchner Sicherheitskonferenz von einem "neuen Kalten Krieg". Präsident Wladimir Putin nannte in einem von ihm unterschriebenen Papier die Nato eine "Gefahr" für Russland. Diese Äußerungen schrecken westliche Militärs auf. Den bis vor kurzem waren die vor allem mit einer Tätigkeit beschäftigt: Sparen.

Die russischen Äußerungen zeigen ein neues Selbstbewusstsein. Das russische Militär fühlt sich dem Westen wieder ebenbürtig. Die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als es an Ausrüstung fehlte, ist vorbei: Putin hat aufgerüstet. In einigen Bereichen haben die Russen sogar schon die USA überholt.

Das zeigen Daten der Website "Global Firepower". Sie sammelt verfügbare Militär-Informationen aus offenen Quellen weltweit. Aus den Daten erstellen die Experten regelmäßig ein Ranking der militärischen Schlagkraft – das "Global Firepower Ranking" mit 126 Ländern. Auf Platz eins stehen die USA mit einem aktiven Militärpersonal von zirka 1,4 Millionen Menschen sowie mehr als 13.000 Kampfflugzeugen und -hubschraubern. Auf Platz zwei folgt Russland.

Auf den ersten Blick kann Russland mit den USA nicht mithalten. Der Verteidigungshaushalt der Russen ist viel kleiner als der US-amerikanische.

Die mit Abstand größten Militärausgaben verbuchen die USA: 598 Milliarden Dollar. Russland ist nach China und Europa die Nummer vier mit 66 Milliarden Dollar. Doch was Sorgen bereitet, ist das Wachstum - und der Blick in die Zukunft. Während Moskau und Peking hohe Zuwachsraten verbuchen, müssen sich die US-Generäle nach der Decke strecken. Präsident Barack Obama hat schon vor Jahren klargemacht, dass die fetten Jahre vorbei sind. Russland hat zudem deutlich weniger Kampfflugzeuge, Hubschrauber, U-Boote als die USA.

Aber die Russen hängen längst nicht mehr überall zurück. Russland verfügt laut der unabhängigen US-Organisation "Arms Control" ("Rüstungsbeschränkung") über rund 7700 Atomsprengköpfe, die USA etwas weniger: rund 7100. Für beide Seiten gilt allerdings: Nur ein Bruchteil der Sprengköpfe sind tatsächlich einsatzbereit zum Abschuss auf einer Rakete. Der Rest lagert ein oder soll demontiert werden.

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Zumindest zahlenmäßig ist Moskau Washington in weiteren Bereichen überlegen. Laut "Global Firepower" hat Russland fast drei Mal so viele Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesysteme wie die USA . Bei den Kampfpanzern haben die Russen die Amerikaner ebenfalls überholt: "Global Firepower" gibt die Gesamtzahl der russischen Kampfpanzer mit mehr als 15.000 an, die der US-amerikanischen hingegen mit "nur" rund 8800.

Doch nicht nur zahlenmäßig hat Russland aufgeholt. Auch die Qualität der Waffen ist gestiegen. Die Zeiten während des ersten Golfkrieges, als russische Militärs über amerikanische "smart bombs" und Tarnkappenbomber staunten, sind vorbei.

Russland hat modernste Waffen entwickelt. "Die militärisch-technologische Überlegenheit des Westen erodiert", heißt der neueste Befund der unabhängigen Experten des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London. Ob Drohnen, Marschflugkörper oder Cyber-War - längst haben die High-Tech-Waffen ihren Weg in russische und chinesische, aber auch in iranische und indische Arsenale gefunden. Fazit des IISS: Die globale "militärische Balance" ist ins Rutschen geraten, die Welt ist gefährlicher geworden.

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Russland hat in einigen Gebieten bereits jetzt eine militärische Überlegenheit. So spielte der amerikanische Thinktank RAND Corporation , der das US-Militär berät, einen Angriff Russlands auf die Nato-Staaten des Baltikums durch.

Das Ergebnis war niederschmetternd: Russland würde Osteuropa in nur drei Tage überrennen. Die RAND Corporation kam zu dem Schluss, dass Russland innerhalb von 36 bis 60 Stunden mit seinen 27 schwerbewaffneten Bataillonen die 12 leichtbewaffneten der Allianz beseitigen würde, um das Baltikum zu besetzen. Der Grund: Die Nato Infanterie und Schützenpanzer im Baltikum stationiert. Es fehlt an schweren Kampfpanzern.

Zwang zum Sparen - das ist der Grund, warum die Amerikaner ihre Präsenz in Deutschland und Europa massiv abgebaut haben - was Washington seit der Ukraine-Krise nicht unbedingt mehr als klugen Schritt ansehen dürfte. "Das globale Sicherheits-Umfeld ist heute vielleicht eine größere Herausforderung denn je seit Ende der 80er-Jahre", meint das Institut IISS - auch mit Blick auf den Terrorismus.

Im Klartext heißt das: Zeit zum Umdenken.

Mit Material der DPA

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