POLITIK
16/02/2016 11:54 CET | Aktualisiert 23/02/2016 04:42 CET

Wachsende Zahl deutscher Clubs verweigert Flüchtlingen den Eintritt

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Symbolbild: Flüchtlinge an der österreichisch-deutschen Grenze

Flüchtlinge werden in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens benachteiligt. Sie haben es deshalb vielerorts schwerer als viele Deutsche. Lange waren diese Diskriminierungen freilich nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Bei deutschen Discos scheint man nun dagegen ganz offen fremdenfeindlich zu agieren.

Dort gibt es eine fragwürdige Türpolitik: In einer Duisburger Diskothek wurden laut einem Bericht der "WAZ" Flüchtlinge am Eingang abgewiesen - und zwar nicht, weil sie etwa alkoholisiert oder gar aggressiv aufgetreten wären, sondern offenbar lediglich aufgrund ihres Status.

Nachrichten wie diese häufen sich in den letzten Monaten. Immer öfter stehen junge Männer mit Asyl- oder Migrationshintergrund in der deutschen Nachtszene vor verschlossenen Türen.

Mitte Januar sorgte erstmals ein Bericht der "Badischen Zeitung" für Aufregung. Damals wurde bekannt, dass ausgerechnet im weltoffenen Freiburg fast alle Clubs Flüchtlingen zukünftig keinen oder nur begrenzt Zutritt gewähren wollten.

Offener Rassismus

Nur wenig später erklangen ähnliche Töne aus Frankfurt: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete Ende Januar von Türstehern, die vermehrt "Männer, die wie Araber aussehen" pauschal an der Tür ablehnten.

Die Begründung für die zunehmende Diskriminierung von Geflüchteten klingt meist so: Man habe zunehmende Übergriffe auf junge Frauen und ein erhöhtes Aggressionspotenzial durch mutmaßlich "arabischstämmige" Männer beobachtet.

Dass die Clubszene den eigenen Rassismus so offen kommuniziert, dürfte mit der Gewaltnacht von Köln zusammenhängen. Von den kriminellen Tätern pauschal auf alle geflüchteten Menschen zu schließen, scheint kein Tabu mehr zu sein.

Rechtswidrige Handlung

Eine gefährliche Entwicklung – findet auch Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Im Interview mit der "FAZ" unterstrich sie, was eigentlich auf der Hand liegen sollte: Dass Türsteher rechtlich keinen Menschen pauschal aufgrund seiner Herkunft oder Hautfarbe abweisen dürfen.

Es sei natürlich etwas anderes, wenn Gäste "sich schlecht benehmen, dann können die an der Tür abgewiesen oder auch mit einem Hausverbot belegt werden", fügte sie hinzu.

Dass die pauschale Diskriminierung von jungen Männern bisher so wenig Gegenwind erfährt, sollte uns zu denken geben. Immerhin: In Freiburg bemüht sich der Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) mittlerweile, zumindest indirekt gegen den Trend vorzugehen.

Er habe den Clubs empfohlen, mehrsprachige Flyer mit Verhaltensregeln zu verteilen und auf T-Shirts entsprechende Regeln zu drucken, anstatt den Menschen pauschal den Eintritt zu verweigern, heißt es in der "FAZ" weiter.

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