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15/02/2016 12:44 CET | Aktualisiert 15/02/2016 15:23 CET

Das passierte, als ein schwuler Lehrer an einer muslimischen Schule zu unterrichten begann

Das passierte, als ein schwuler Lehrer in einer muslimischen Schule zu unterrichten begann
Danita Delimont via Getty Images
Das passierte, als ein schwuler Lehrer in einer muslimischen Schule zu unterrichten begann

Andrew Moffat hat eine harte Zeit hinter sich. Er war Lehrer an einer Grundschule in Birmingham – und sah sich gezwungen, zu kündigen, nachdem sich die Eltern über seinen Unterrichtsstil beklagt hatten.

Der Grund: Andrew Moffat ist homosexuell und wollte den Kindern etwas über Gleichberechtigung beibringen. Also erzählte er ihnen von seiner sexuellen Orientierung.

Das gefiel den Eltern gar nicht.

Mittlerweile hat der Lehrer einen Neustart gewagt – und zwar keinen einfachen. Er ist nun stellvertretender Schulleiter an der Parkfield Community School. Das Bemerkenswerte daran: 98,8 Prozent aller Schüler an dieser Schule stammen aus muslimischen Familien.

In der englischen Tageszeitung "Guardian" berichtete Moffat über seine neue Herausforderung, als homosexueller Lehrer mit muslimischen Kindern zu arbeiten.

Moffat verschwieg seine sexuelle Orientierung nicht vor seinem neuen Arbeitgeber – ganz im Gegenteil:

Mit der Unterstützung der Schulleiterin Hazel Pulley entwickelte er ein Programm, das den Schülern die Akzeptanz anderer Kulturen, Hautfarben, Religionen und sexueller Orientierungen nahebringen soll.

Mittlerweile hat Moffat sogar ein Handbuch herausgebracht, das den Titel trägt: „Keine Außenseiter in der Schule: Das Gleichstellungsgesetz im Schulunterricht“.

Die Schulleiterin steht voll hinter Moffat. Sie will, dass muslimische Schüler über die Rechte von Schwulen und Lesben im Unterricht lernen: „Es ist möglich, die Gesetze gegen Diskriminierung zu lehren ohne religiöse Befindlichkeiten zu verletzen“, erzählte Hazel Pulley dem Guardian.

Die Beschwerden der muslimischen Eltern sollen sich bisher in Grenzen gehalten haben.

Laut Direktorin Pulley könnte es daran liegen, dass die Schule einen sehr hohen Standard hat und die Eltern daher den Lehrern vertrauen.

Eine Mutter sagte im Interview: „Wenn die Kinder nicht in der Schule von Schwulen, Lesben und Transgender-Leuten hören, dann lernen sie es anderswo und hören dann, dass es abstoßend sei. Das möchte ich nicht“.

Eine Lektion des Handbuches, das Moffat für die Schule entwickelt hat, erzählt zum Beispiel von zwei männlichen Pinguinen, die ein Baby haben möchten und den ganzen Tag auf einem Stein sitzen, den sie für ein Ei halten. Daraufhin gibt ihnen der Zoowärter ein echtes Ei und sie schaffen es, das Ei auszubrüten.

Andrew Moffat möchte das Programm gerne für andere Schulen adaptieren.

„Ich hoffe, dass es auch dabei hilft, eine Radikalisierung von jungen Menschen zu vermeiden“, erzählte er dem "Guardian" gerade im Hinblick auf den muslimischen Hintergrund seiner Schüler. In der Parkfield Community School soll sich die Toleranz der Schüler untereinander jedenfalls verbessert haben, berichten die Lehrer.

Letzten Monat outete sich Moffat übrigens auch vor den Schülern und Eltern als homosexuell – diesmal gab es keine Beschwerden.

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