POLITIK
15/02/2016 04:22 CET | Aktualisiert 17/02/2016 10:37 CET

"Das ist die Besetzung der EU durch Roma und 'Flüchtlinge'" - So rechts sind deutsche Professoren

Professoren hetzen auch gegen Flüchtlinge.
dpa
Professoren hetzen auch gegen Flüchtlinge.

Es sind mitunter krude Worte, die man von einem deutschen Professor wohl lange nicht mehr gehört hat. "Es ist natürlich, sich zu wehren, wenn die eigene Kultur untergeht“, schrieb Thomas Rauscher, Jura-Professor an der Uni Leipzig bei Twitter. Und dann legt er nach: „Die 'Angst des weißen Mannes' sollte wehrhaft werden!" Es ist eine von mehreren, zumindest rechtspopulistischen, Äußerungen, die er einem Bericht der "Zeit“ zufolge jüngst veröffentlicht hatte.


Dabei ging der Rechtsprofessor mit Merkels Flüchtlingspolitik extrem hart ins Gericht. "Wenn man Illegale nicht mehr ausweisen kann, ohne dass Gutmenschen sich inszenieren, ist das die Besetzung der EU durch Roma und 'Flüchtlinge'." Und: "Es gibt keinen friedfertigen Islam. Das Grundkonzept dieser 'Religion' ist kriegerische Ausbreitung."

"Mehr rechtspopulistische Äußerungen"

Offenbar ist Rauscher, der für eine Stellungnahme der Huffington Post nicht erreichbar war, in der deutschen Uni-Welt kein Einzelfall. Der Göttinger Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn sagte gegenüber der "Zeit“, dass heute mehr rechtspopulistische Äußerungen von Hochschullehrern wahrnehmbar seien.

"Zum einen trauen sich jetzt manche Kollegen nach vorn, weil sie glauben, nicht mehr Gefahr zu laufen, für solche Äußerungen kritisiert zu werden." Viele hätten geglaubt, es gebe da Tabus.

Das ändere sich jetzt, wenn man sehe, "dass in fast jeder Talkshow jemand von der AfD sitzt und selbst übelste Behauptungen von Pegida oft hingenommen werden". Zum anderen gebe es die sozialen Medien und selbst von Veranstaltungen in kleinen Orten nun YouTube-Videos, sagt Salzborn. "Das eröffnet viel mehr Wege, sich selbst in die Öffentlichkeit zu rücken."

Da ist etwa Thomas R., Chemie-Professor der Hochschule Merseburg. Ein Video zeigt, wie er im Januar bei einer Veranstaltung mit Angela Merkel im Fraunhofer-Institut in Halle aufstand. Er hielt ein Plakat und rief in Richtung der Kanzlerin, er sorge sich um die Zukunft seiner Kinder. Seine Äußerung zielte ganz klar auf die Flüchtlingspolitik der CDU-Chefin ab.

Thomas R., der in seiner Funktion als Professor anwesend war, störte Medienberichten zufolge Merkels Rede mit seinem Zwischenruf massiv. Erst als ihn ein Uni-Mitarbeiter dazu aufforderte, zu gehen unterbrach er schließlich seine Wutrede und verließ in dessen Geleit den Saal.

"Befreit Europa vom Islam!"

Besonders pikant ist allerdings der Fall Rausacher. Der Professor, der schon einmal fordert, "Befreit Europa vom Islam!", ist nämlich auch Ausländerbeauftragter seiner Fakultät. Auf dessen Internetseite heißt es: "Bei Problemen aufgrund Ihrer Herkunft können Sie sich an ihn wenden."

Ob das jeder Migrant, der sich diskriminiert fühlt, auch macht, kann zumindest bezweifelt werden. Laut "Zeit“ hatte Rauscher etwa öffentlich getwittert: "Unser Land verkommt. Banlieue-Horden aus dem Maghreb!“ Und ein anderes Mal habe er geschrieben: "Islamterror in Dresden. JE SUIS PEGIDA!"

Rauscher sagte gegenüber der "Zeit“: Er sehe eine "Meinungskontrolle" in Deutschland. Diese erinnere ihn "an die Inquisition".

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