POLITIK
13/02/2016 12:39 CET | Aktualisiert 13/02/2016 12:46 CET

"Wie eine Jagd auf Gespenster": Das erlebten zwei Journalisten, als sie eine Bürgerwehr begleiteten

dpa

Die kleine Gemeinde Lawitz liegt in Brandenburg, kurz vor der polnischen Grenze. Eigentlich geht es in dem 640-Seelen-Dorf sehr ruhig zu - und das soll auch so bleiben, wenn es nach der dortigen "Bürgerstreife" geht. Genau die haben Frida Thurm und Hans Jakob Rausch, beide Redakteure beim NDR, eine Woche lang begleitet.

Sie haben sie auf "Streife" begleitet, bei ihnen gewohnt und mit ihnen gestritten. Es entstand die bemerkenswerte Reportage "7 Tage... Bürgerwehr".

Darin zeichnet sich ab: Die Lawitzer fühlen sich durch die vielen Medienberichte und -bilder über ankommende Flüchtlinge stark verunsichert und haben Angst, die Kontrolle in ihrem beschaulichen Leben zu verlieren, das sich am besten nicht verändern soll.

Im Ort selber sind allerdings keine Asylbewerber untergebracht, erst wieder im benachbarten Eisenhüttenstadt. Es zeigt sich mal wieder: Wo man am wenigsten Erfahrung mit Ausländern und Integration hat, wehrt man sich am stärksten gegen die vermeintliche Überfremdung.

Ihr Mittel dagegen: Eigeninitiative in der Bürgerwehr, bei der sogar die Bürgermeisterin mitläuft. Mit Warnwesten bekleidet laufen sie die ruhigen Straßen ab, leuchten in Garagen und schreiben sich jedes fremde Kennzeichen auf, das unverzüglich an die Polizei gemeldet wird. Auf der Suche sind sie nach Dieben, denn immerhin geht man dort davon aus, dass Ausländer einen Großteil der Straftaten begehen.

"In unseren Gesprächen mit den Bürgern sind uns relativ häufig rechte Einstellungen begegnet."

Auch wenn man sich in Lawitz bewusst Bürgerstreife und nicht Bürgerwehr nennt, lassen sich die rassistischen Meinungen nicht verleugnen: "In unseren Gesprächen mit den Bürgern sind uns relativ häufig rechte Einstellungen begegnet", berichtet Thurm im NDR-Interview.

Tatsächliche Selbstjustiz wird zwar nicht geübt, wichtig sind wohl eher die Motivationsgründe als die Auswirkungen. Thurm dazu: "Die Bürgermeisterin hat ganz klar gesagt, dass sie fürchtet, dass unsere Kultur überrannt wird."

"Das Ganze wirkt eher wie eine Jagd auf Gespenster."

Auch sei es gar nicht so leicht gewesen, Zugang zu den Lawitzern zu finden. Sie haben große Vorbehalte gegenüber der Presse, glauben an Zensur und Steuerung der Medien. "Während der Dreharbeiten mussten wir dann oft erklären, wie Journalisten eigentlich arbeiten und dass es keine Zensur bei uns gibt", erklärt Thurm.

Einen Kriminellen hat die Bürgerwehr in Lawitz übrigens noch nicht erwischt. "Es ist schon ein bisschen absurd", sagt Rausch dem NDR. "Das Ganze wirkt eher wie eine Jagd auf Gespenster."

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