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13/02/2016 09:03 CET | Aktualisiert 13/02/2016 09:36 CET

Ein irakischer Flüchtling bekommt Sozialhilfe - was er damit anstellt, hätte kaum einer für möglich gehalten

Salmam Eishos
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Salmam Eishos

Salmam Eishos Geschichte erzählt von einer Flucht und einem neuen Anfang. Es ist aber auch eine Geschichte, die wir uns gerade jetzt in Erinnerung rufen sollten - weil sie zeigt, wie sich die Aufnahme von Flüchtlingen langfristig auszahlen kann, hier sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Was ihn zur Flucht trieb

Eisho kommt ursprünglich aus dem nördlichen Irak, doch schon 1996 fasste der damals 28-jährige Ingenieur den Entschluss, sein Heimatland gemeinsam mit seiner Frau zu verlassen.

Kurz zuvor war er beinahe an einem Checkpoint getötet worden, wie er der australischen Ausgabe des "Business Insider" schilderte. Soldaten warfen ihn zu Boden, verschleppten ihn und sperrten ihn weg - letztlich nahmen sie aber doch lieber sein Geld als sein Leben.

Der Iraker glaubt, dass ihn einer der Soldaten gerettet hat: Er kannte ihn aus Unizeiten und der Mann setzte sich für seinen ehemaligen Freund ein. Doch nach dieser Erfahrung in dem gespaltenen Land zu bleiben, kam für Eisho nicht in Frage. Er wollte eine Familie gründen, seine Kinder in Sicherheit aufwachsen sehen.

Nur elf Tage nach ihrer Heirat floh das frisch vermählte Paar per Flugzeug in die Türkei und reiste versteckt unter Möbelstücken in einem Lastwagen nach Griechenland. Nachdem er dort lange in der Matratzenherstellung gearbeitet hatte, schafften der Ingenieur und seine Frau es drei Jahre nach ihrer Ankunft endlich nach Australien, ihrem eigentlichen Ziel - diesmal auf legalem Weg.

Sein Onkel, der bereits im Down Under lebte und als Arzt arbeitete, half ihnen bei der Einreise und ließ sie bei sich unterkommen. Eisho nahm Kontakt mit den Sozialbehörden auf, sie unterstützten ihn mit Geld und bei der Jobsuche - diese Starthilfe war essentiell, sagte er später dem "Business Insider".

Zehn Jahre später...

Zehn Jahre später war Salmam Eisho, der sich mittlerweile Sam Eisho nannte, längst nicht mehr auf die Hilfe des Staates angewiesen. Er hatte ein eigenes Unternehmen "SR Construction" aufgebaut und beschäftigte 40 Leute.

Damit nicht genug: Er wollte sich beim Sozialministerium revanchieren und genau die Summe, die er im Laufe der Jahre erhalten hatte, zurückzuzahlen.

Am Schalter der "Centrelink", die die Zahlungen des Ministeriums abwickelt, sagte er laut eigenen Angaben: "I'm here to pay you". Er überreichte den Mitarbeitern einen Scheck und einen Brief, der anschließend auf Twitter kursierte.

Darin hieß es:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Salman Eisho und ich bin gebürtiger Assyrer. Ich kam im Jahr 1999 nach Australien und habe mich in dieses Land verliebt.

Ich kam als mittelloser Mann nach Australien und wurde deshalb von Centrelink für einige Monate finanziell unterstützt. Dank der großartigen Möglichkeiten in diesem Land, war ich schließlich in der Lage, Arbeit zu finden und dann, nach einiger Zeit, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Meine Dankbarkeit für die Möglichkeiten und Sozialleistungen dieses Landes lässt sich kaum in Worte fassen. Ich habe außerdem das dringende Bedürfnis, das vom Staat erhaltene Geld zurückzuzahlen. Für mich ist das ein notwendiges Zeichen der Dankbarkeit. Anbei schicke ich Ihnen deshalb einen Scheck für den gesamten Betrag, den ich von Centrelink erhielt.

Es würde mich wirklich glücklich machen, wenn Sie dieses Geld nutzen könnten, um neue Infrastrukturen in diesem Land zu entwickeln (Schulen, Krankenhäuser usw.) oder um anderen zu helfen, die in dieses Land kommen und eine Starthilfe brauchen.

Ich bedanke mich noch einmal zutiefst für dieses wunderbare Land. Die Möglichkeiten und Unterstützung der Regierung gibt es so nicht in vielen Ländern. Ich danke Ihnen für die Annahme meines Schecks als Zeichen der Dankbarkeit und Ihre kluge Verwendung des Geldes.

Mit freundlichen Grüßen

Salman Eisho"

Der ehemalige Flüchtling spendet über 50.000 Euro

Das Sozialamt zeigte von seinem Ehrgefühl beeindruckt, lehnte seinen Scheck in Höhe von 18.641 australischen Dollar jedoch ab. Er solle das Geld lieber spenden, hieß es. Mit umgerechnet über 50.000 Euro unterstützte er deshalb Schulen und Krankenhäuser - auch in Gedanken an seine Tochter, bei deren Geburt sich die Ärzte seiner Meinung nach sehr gut um die Familie gekümmert hätten.

Sam Eisho hat damit der australischen Gesellschaft weit mehr zurückgegeben, als er je von ihr empfangen hatte. Seine ungewöhnliche Geschichte lässt sich sicher nicht auf jeden Flüchtling übertragen, nicht einmal auf einen großen Teil.

Schicksale wie von dem Iraker werden Einzelfälle bleiben - was aber nicht heißt, dass sie nicht wieder passieren können. Und was sicher keine Seltenheit bleiben wird: Die Dankbarkeit, die Sam Eisho mit seiner Spende ausdrücken wollte; auch wenn sie sich bei anderen vielleicht ein kleineren Gesten äußert.

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