POLITIK
13/02/2016 13:46 CET

"Der Bachelor" und "Germany's next Topmodel": So frauenverachtend ist Deutschland wirklich

dpa

Einmal wöchentlich feiert das deutsche Fernsehen derzeit mit lautem Getöse den Tod der Frauenbewegung. Dann nämlich, wenn auf RTL "Der Bachelor“ ausgestrahlt wird.

Eine Show, die nach dem Ken-trifft-Barbie-Prinzip funktioniert und dabei mit feist schielender Dreistigkeit so tut, als hätte in Deutschland noch nie jemand "sexistische Kackscheiße" gerufen.

Angesichts der Frauenverachtung, die dort regelmäßig als Romantik verkleidet dargeboten wird, ist es schon erstaunlich, dass diese Sendung in trauter Regelmäßigkeit einfach so passieren kann. Ohne Aufschrei. Ohne leisen und lauten Protest.

Eine Show gegen alles, woran Feministinnen glauben

Denn jeden Mittwochabend bekommt die Adenauer-Republik beim "Bachelor" eine gut ausgeleuchtete Mund-zu-Mund-Beatmung vor Sandstrandkulisse und Palmenkitsch.

Allein vom Prinzip her wendet sich die Show gegen alles, woran aufrecht kämpfende Feministinnen jemals geglaubt haben: Ein pumpender Versicherungsvertreter aus Brandenburg (der in der Show als "Berliner Unternehmensberater" auftritt), bittet 20 aufgeregt schmachtende Frauen nach Florida.

Dort haben sie zwei Wochen lang die Chance, um diesen angeblichen Traummann zu werben. Der wiederum darf nach bester sozialdarwinistischer Manier jeden Abend zwei der Damen aussortieren. Die Frauen, die am Ende lieb genug "bitte, bitte" gesagt haben, kommen schließlich in den Genuss der vorgeblich einmaligen Chance, in der Finalshow um die Gunst des tatsächlich gut frisierten Herzbubens zu buhlen.

Frauen - nur Sklavinnen ihrer Gelüste?

Auf dem Weg dorthin kreischen erwachsene Frauen den Fond einer kitschigen Hochzeitslimousine zusammen, weil sie es gar nicht erwarten können, den Asphalt vor den Füßen des "Bachelors" voll zu sabbern. Sie ziehen in eine für die Dreharbeiten angemietete Villa mit dem Charme einer halbgekonnten Playboy-Mansion, die weniger nach Hollywood aussieht, sondern eher so, wie man sich Hollywood in Holzminden vorstellt.

Es gibt keine Sendung im deutschen Fernsehen, die Frauen derart zu Sklavinnen ihrer eigenen Gelüste degradiert wie der "Bachelor".

Und ganz am Rande sei auch das Männerbild angesprochen, dass in dieser Show propagiert wird. Ein Traummann muss demzufolge Wohlstand, einen angesehene Aufgabe und ein paar dicke Muskelpakete haben. Das wirft den Wandel der Rollenbilder in den Köpfen deutscher Männer auf die Zeit zurück, in der sie im Kindergarten mit "He-Man"-Actionfiguren gespielt haben.

Finstere deutsche Befindlichkeiten

Aber wahrscheinlich ist das ebenso Teil des Konzepts des "Bachelors": Da dürfen Backfische und Neandertaler einmal die Woche noch davon träumen, wie es wäre, wenn die Welt sich in den 50er-Jahren zu drehen aufgehört hätte.

Und man könnte das alles auch einfach als eine Art Safari in die finstersten Landschaften deutscher Befindlichkeiten abtun.

Das Problem ist der Erfolg dieser Show, an dem man ablesen kann, auf wie viel Resonanz solche Geschlechterbilder immer noch stoßen.

Unsere Gesellschaft ist längst nicht so emanzipiert, wie wir glauben

Die aktuelle Staffel war Ende Januar mit einem Marktanteil von über 20 Prozent gestartet. Mehr als vier Millionen Menschen wollten sehen wie "Bachelor" Leonard Freier die Damen selektiert.

Mittlerweile sind die Quoten gesunken. Am Mittwoch kam die Show nur noch auf drei Millionen Zuschauer, ein Fünf-Jahres-Tief. Es besteht also noch Hoffnung.

Leider können wir auch andernorts beobachten, dass unsere Gesellschaft längst nicht so emanzipiert ist, wie sich das viele gerne vorstellen würden. Und ein guter Gradmesser ist das, was wir sehen, wenn wir uns in der Dunkelheit unserer Wohnzimmer allein fühlen.

"Germany’s Next Topmodel" etwa. Dort, wo Heidi Klum jungen Frauen das Lächeln austreibt und ihnen beibringt, so hart an ihrer Schönheit zu arbeiten, dass sie am Ende ihr Gesicht für die Konsumgüterindustrie vermieten dürfen.

Heidi Klum trainert Frauen das Lächeln ab

Die neue Staffel startete mit weit besseren Quoten als noch im Jahr zuvor. Offenbar haben sich die Deutschen noch nicht satt dran gesehen, wie Heidi Klums "Mädchen" regelmäßig getriezt und gedemütigt werden.

Woran das liegt?

Vielleicht daran, dass immer noch allzu viele Deutsche anfällig sind für falsche Versprechungen. Und damit auch für falsche Träume.

Das heißt nicht, dass der Traum vom Prinzen oder der Prinzessin nicht träumenswert sei. All das ist sehr deutsch, sehr idealistisch.

Aber es geht bei diesen Sendungen eben nicht um die Umschreibung eines Traums, sondern um dessen Instrumentalisierung. Das ganze verhält sich ungefähr wie Grimms Märchen zu Disney World: Für einen Eimer rosa Farbe verkaufen wir alles, was jemals am Traum hätte echt sein können.

Das ist das Deprimierendste an dem Mist, der dieser Tage über den Äther läuft.

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