WIRTSCHAFT
12/02/2016 13:57 CET | Aktualisiert 12/02/2016 15:55 CET

Plagiate-Preis: So dreist werden Produkte kopiert

Arne Dedert/dpa
Die gefälschte Brille über dem Original beim "Plagiarius"

Plagiate kennt man. Zum Beispiel wegen der scheinbar täuschend echten Kopien bekannter Marken, die mancher schon im Urlaub gesehen hat. Besonders auffällige Piratenprodukte werden seit mehr als 40 Jahren mit dem "Plagiarius" ausgezeichnet. Zwar komme die Masse der Plagiate immer noch aus Fernost, doch zunehmend häufiger säßen die Auftraggeber in den Industrieländern selbst, teilte die Jury am Freitag zur 40. Ausgabe des Schmähpreises mit.

Heißt: Gleich zwei Negativ-Auszeichnungen gingen zum Auftakt der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt an deutsche Hersteller, die eine Brillenfassung und einen Torriegel aus Metall deutscher Konkurrenten einfach nachgebaut hatten, statt selbst etwas zu entwickeln.

"Plagiarius" geht auch nach Deutschland

Der von einem privaten Verein vergebene Preis ist ein schwarzer Zwerg mit einer goldenen Nase, die symbolisch für die ungerechtfertigten Gewinne der Produktpiraten steht. Nachgemacht werden nicht nur hochwertige Konsumgüter, wie sie auf der "Ambiente" als weltgrößter Messe dieses Sortiments gezeigt werden.

Erhebliche Risiken für die Verbraucher ergeben sich unter anderem aus nachgemachten Medikamenten, Medizingeräten oder Auto-Ersatzteilen. Der Schmähpreis treffe allerdings keine Aussage darüber, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt oder aber rechtswidrig sei, schränkt der Verein ein.

Viele abgefangene Waren aus China und Hongkong

Das Internet hat den weltweiten Handel auch mit nachgemachten Produkten beschleunigt. Das Angebot sei ungebrochen hoch, auch wenn jährlich Zehntausende Anbieter-Webseiten von internationalen Behörden abgeschaltet werden.

Allein der deutsche Zoll hat nach Angaben des Vereins im Jahr 2014 knapp 36 Millionen gefälschte Produkte im Wert von deutlich über 600 Millionen Euro an den Grenzen beschlagnahmt. Dabei sei auch vielen Konsumenten durchaus bewusst, dass sie nachgemachte Produkte bestellen statt der höherpreisigen Originale. Nach Schätzungen des Plagiarius-Vereins stammen rund 80 Prozent der abgefangenen Waren aus China und Hongkong.

Auf der "Ambiente" zeigen bis zum 16. Februar 4387 Aussteller aus 96 Herstellernationen ihre Produkte rund um Themen wie Schenken, Genießen und Wohnen.

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